Taliban-Mitglieder in Afghanistan | Bildquelle: REUTERS

Afghanistan Weitere Bezirke fallen an die Taliban

Stand: 10.09.2019 15:33 Uhr

Nach dem Abbruch der Gespräche durch die USA haben die Taliban nun weitere Bezirke in Nordafghanistan erobert. Die Streitkräfte der Regierung mussten sich zurückziehen.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

In Afghanistan sind die Taliban offenbar auf dem Vormarsch. Nach zweitägigen Gefechten in der nördlichen Provinz Tacher seien die Bezirke Jangi Qalah und Darkad an die Taliban gefallen, berichtete der afghanische Fernsehsender TOLO News. Unklar ist noch, wie viele Opfer es bei den Kämpfen gegeben hat.

Schon vor einigen Monaten hätten die Taliban mehr als 17 Kontrollposten erobert und so den Großteil der Region unter ihre Kontrolle gebracht, hieß es. Die Regierungskräfte hätten sich zurückziehen müssen, nachdem trotz einer Zusage aus Kabul keine Verstärkung gekommen sei, sagte der Provinzrat Wafiullah Rahmani.

"Gelegenheit zum Frieden verpasst"

Seit Wochen gibt es heftige Gefechte in den nördlichen Provinzen des Landes. Die afghanischen Streitkräfte versuchen, mit Unterstützung der US-Truppen die Taliban aus strategisch wichtigen Regionen zu vertreiben. Betroffen sind vor allem die Provinzen Kundus, Baghlan und Badachschan, wo die Taliban in letzter Zeit ihre Angriffe verstärkt haben.

Nachdem US-Präsident Donald Trump die Gespräche mit den Taliban für beendet erklärt hatte, wird in Afghanistan mit Sorge über die Konsequenzen dieser Entscheidung diskutiert. Eine Gelegenheit für Frieden sei verpasst worden, sagte Zaman Gul Dehati, von der Allianz für Frieden und Entwicklung in einer Fernsehsendung von TOLO News: "Das Ende der Gespräche wird sich sehr negativ auf unser Land auswirken. Die Verhandlungen, auch wenn sie von den USA geführt wurden, waren eine Chance für Afghanistan. Eine Chance für beide Seiten, den Krieg zu beenden."

Vorwürfe an die Amerikaner

Mohammad Nabi Misdaq, ein Berater von Präsident Ashraf Ghani, machte in der gleichen Sendung den USA schwere Vorwürfe, weil in Doha über die Köpfe der afghanischen Regierung hinweg verhandelt wurde.

"Die Amerikaner haben Milliarden von US-Dollar ausgegeben, um Afghanistan zu unterstützen. Sie unterstützen unsere Streitkräfte, setzen sich für Demokratie ein und doch haben sie die afghanische Regierung außen vor gelassen, bei ihren Gesprächen mit den Taliban", sagte er. Wenn es irgendwann wieder Gespräche geben sollte, dann müssten drei Seiten beteiligt werden, die USA, die Taliban und die afghanische Regierung.

Präsident Ghani hat den Taliban auch nach der Gesprächsabsage der USA seine Bereitschaft zu direkten Verhandlungen angeboten. Voraussetzung sei jedoch ein Waffenstillstand.

Afghanistan - Taliban auf dem Vormarsch
Bernd Musch-Borowska, NDR Neu-Delhi
10.09.2019 14:31 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 10. September 2019 B5 aktuell um 15:37 Uhr und NDR Info um 16:20 Uhr.

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