Bewaffnete Kämpfer der Taliban stehen vor der Abflughalle am Flughafen von Kabul. | AP

Afghanistan Taliban wollen für Sicherheit sorgen

Stand: 01.09.2021 17:56 Uhr

Nach ihrer Machtübernahme wollen die Taliban in Afghanistan für Sicherheit sorgen. Teilweise finden dafür öffentliche Bestrafungen statt. Derweil befürchten Journalistinnen und Journalisten ein Ende der Pressefreiheit.

Silke Diettrich, ARD-Studio Neu-Delhi

Im Netz kursiert ein Foto: Talibankämpfer mit Waffen stehen im Tower eines Flughafens. Darunter folgen bissige und ironische Kommentare. Bei aller Häme, die Taliban benötigen tatsächlich Unterstützung, um den Flughafen in Kabul ans Laufen zu bringen. Dafür sind sie mit der Türkei und Katar in Verhandlungen.

Silke Diettrich ARD-Studio Neu-Delhi

Auch die Bundesregierung hat ein großes Interesse daran, dass der Flughafen wieder den Betrieb aufnehmen kann. Zehntausende Menschen warten noch darauf, aus Afghanistan herauszukommen. Dazu sei der Weg über die Luft die beste Lösung, sagt auch Außenminister Heiko Maas. Die Taliban hatten mehrfach zugesagt, dass die Menschen mit Visa und gültigen Papieren das Land verlassen könnten.

Die Taliban setzten aber auch alles daran, dass die Menschen im Land sich nun sicher fühlen könnten, sagt Wahid Ullah. Er ist beim Taliban-Sicherheitspersonal in Kabul eingesetzt und hat der Nachrichtenagentur Reuters ein Interview gegeben: "200 Leute arbeiten unter mir. Wir sind hier zuständig, um die Leute zu schützen. Ihr Hab und Gut, genauso wie ihr Leben. Das versichern wir hier allen."

Öffentliche Bestrafungen für Diebe

Unter den Augen der Taliban, die scheinbar wirklich überall in der Stadt patrouillieren, sagt ein Straßenhändler: "Zum Glück wird die Situation hier gerade viel besser, als sie es in der Vergangenheit war. Ich habe in der letzten Woche keinen einzigen Diebstahl hier erlebt im Viertel. Denn Diebe bekommen dann das, was sie verdienen: Öffentlich wird ihr Gesicht geschwärzt und ihnen werden die Haare abgeschnitten. Früher haben sie die Diebe kurz verhaftet und gleich wieder laufen lassen." Allerdings würden die Leute gerade kaum noch bei ihm einkaufen, kaum jemand verfügt noch über Bargeld. Die Preise steigen überall an.

Ein weiterer Verkäufer aber schwärmt auch von der neuen Sicherheit in Kabul: "Ganz ehrlich, seit dem Machtwechsel sind alle Diebe verschwunden. Es ist ruhig geworden, möge Gott uns helfen, dass es dabei bleibt." Die Männer, die von Reuters interviewt werden, sprechen alle Paschtu. Eine der beiden offiziellen Landessprachen in Afghanistan. Es ist auch die Sprache, die vor allem von den Taliban gesprochen wird.

Angst um Pressefreiheit

Viele Journalisten befürchten, dass die Pressefreiheit unter den Taliban gänzlich wieder verschwinden werde. Die Organisation Reporter ohne Grenzen warnt derzeit vor allem davor, dass Journalistinnen verschwinden könnten. Während bisher rund 700 Journalistinnen in der Hauptstadt Kabul tätig waren, sind es inzwischen weniger als hundert. Die Taliban hatten Frauen aufgefordert, zu Hause zu bleiben, zumindest vorerst. Weil einige ihrer Kämpfer noch nicht gelernt hätten, sie zu respektieren.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. September 2021 um 18:12 Uhr.