Eine Delegation von Taliban traf sich mit der pakistanischen Regierung in Islamabad.  | Bildquelle: VIA REUTERS

Friedensprozess in Afghanistan Annäherung zwischen USA und Taliban?

Stand: 05.10.2019 12:55 Uhr

In den abgebrochenen Friedensprozess für Afghanistan ist Bewegung gekommen. Nachdem US-Präsident Trump die Gespräche mit den Taliban für tot erklärt hatte, soll es nun wieder eine Annäherung gegeben haben.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio

Nachdem US-Präsident Donald Trump die Gespräche mit den Taliban vor wenigen Wochen als gescheitert erklärt hatte, soll sich nun der US-Sondergesandte Zalmay Khalilzad in Pakistan mit Vertretern der Taliban getroffen haben.

Medienberichten zufolge wurde die Taliban-Delegation von Mullah Abdul Ghani Baradar angeführt - einem Mitbegründer der Taliban, der im Jahr 2010 in Pakistan gefangen genommen und im Oktober vergangenen Jahres aus der Haft entlassen wurde.

Pakistan unterstützt Friedensgespräche

Dabei sei es um eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche für Afghanistan gegangen, sagte der Sprecher des pakistanischen Außenministeriums, Mohammad Faisal: "Die direkten Gespräche zwischen den USA und den Taliban haben eine starke Grundlage geschaffen, um einen dauerhaften Frieden in Afghanistan zu erreichen."

Pakistan habe diese Gespräche stets unterstützt und die Regierung sei jetzt mit den Taliban zu dem Schluss gekommen, dass diese Verhandlungen so bald wie möglich wieder aufgenommen werden sollten.

Afghanische Regierung reagiert zurückhaltend

Die afghanische Regierung, die von den monatelangen US-Taliban-Gesprächen in Doha ausgeschlossen war, reagierte mit Zurückhaltung auf die jüngste Entwicklung. Der afghanische Fernsehsender "TOLO News" zitierte den Sprecher des Außenministeriums Sibghat Ahmadi, dass man hoffe, Pakistan könne die Taliban zu direkten Verhandlungen mit der afghanischen Regierung bewegen. Präsident Aschraf Ghani hingegen habe das Treffen in Islamabad als einen Verstoß gegen diplomatische Gepflogenheiten bezeichnet, hieß es.

Pakistan war eines von nur drei Ländern, die das Taliban-Regime von 1996 bis 2001 anerkannt hatten. Und dem pakistanischen Geheimdienst ISI wird von vielen Seiten vorgeworfen, dass er den blutigen Aufstand der Taliban in Afghanistan unterstützt und Taliban-Kämpfern auf der pakistanischen Seite der Grenze Unterschlupf gewährt.

US-Gesandter für Afghanistan, Zalmay Khalilzad | Bildquelle: AFP
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Der US-Sondergesandte Zalmay Khalilzad sprach mit Vertretern der Taliban - zuvor hatte US-Präsident Donald Trump die Friedensverhandlungen mit den Taliban für tot erklärt.

Verhandlungen im Interesse der USA

Das Treffen zwischen Khalilzad und den Taliban in Pakistan sei keine offizielle Wiederaufnahme der Gespräche, hieß es aus US-Regierungskreisen. Experten vermuten jedoch, dass die Regierung in Washington an einer Wiederaufnahme der Gespräche interessiert ist.

Immerhin ging es dabei um einen Teil-Rückzug der US-Streitkräfte aus Afghanistan. Dies war ein Wahlversprechen von US-Präsident Trump, dessen Erfüllung ihm in seinem Wahlkampf für seine Wiederwahl im nächsten Jahr Vorteile verschaffen könnte.

Taliban treffen US-Gesandten in Pakistan
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu Delhi
05.10.2019 11:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Oktober 2019 um 12:36 Uhr.

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