Ein Mann bei der Stimmabgabe in einem Wahllokal in Afghanistan | Bildquelle: REUTERS

Afghanistan Wählen unter Lebensgefahr

Stand: 21.10.2018 17:39 Uhr

Gewalt hat die erste Parlamentswahl in Afghanistan bestimmt, bei der die örtliche Polizei allein für Sicherheit sorgen sollte. Auch am zweiten Wahltag wurden mehrere Menschen bei einem Anschlag getötet.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

An vielen Wahllokalen standen die Wähler gestern stundenlang vor verschlossenen Türen, weil Wahlleiter nicht erschienen waren oder wichtige Wahlunterlagen fehlten. Viele Wähler seien entnervt nach Hause gegangen, hieß es.

Mohammed Amin, ein junger Wähler aus Kabul, berichtet, dass die meisten Wahllokale erst viel später öffneten - "und dann funktionierten die biometrischen Geräte zur Kontrolle der Stimmabgabe nicht richtig. An einigen gab es gar keine Geräte." Zudem seien einige Namen von Wahlberechtigten gar nicht auf den Listen erschienen. "Überall gab es Probleme. Ich hoffe, bei künftigen Wahlen läuft das besser."

Afghanische Parlamentswahlen: Tote trotz hoher Sicherheitsvorkehrungen
tagesschau 17:15 Uhr, 21.10.2018, Claudia Reiser, MDR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Kandarhar wählt später - wegen eines Anschlags

In der Provinz Kandarhar soll erst nächste Woche gewählt werden. Dort war die Wahl wegen eines schweren Anschlags auf ein hochrangiges Sicherheitstreffen verschoben worden. Die Einwohner von Kandarhar hoffen, dass sie bald ihre Stimme abgeben können.

"Die Stadt war gestern total abgeriegelt, wegen des Anschlags auf den Polizeichef. Heute geht es wieder", erzählt Mohammed. "Ich hoffe, die Regierung lässt uns bald wählen, damit auch bei uns wieder ein normaler Alltag möglich ist."

1/8

Parlamentswahl in Afghanistan

Afghanistan, Herat: Frauen stellen sich während der Parlamentswahlen vor einem Wahllokal auf. Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen wird am Samstag in Afghanistan ein neues Parlament gewählt. Laut Unabhängiger Wahlkommission haben sich rund 8,8 Millionen Afghanen zur Wahl registriert.

Frauen warten vor einem Wahllokal in Herat. Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen wird in Afghanistan ein neues Parlament gewählt. | Bildquelle: dpa

Viele stimmten ab - trotz Anschlägen

In Kabul und in anderen Städten explodierten am gestrigen Wahltag vor einigen Wahllokalen Sprengsätze. Es gab mehrere Tote und Verletzte. Der schwerste Anschlag war ein Selbstmordattentat vor einem Wahllokal in der afghanischen Hauptstadt.

Auch am Morgen des zweiten Wahltags explodierte ein Sprengsatz. Mindestens elf Menschen starben in der östlichen Provinz Nangarhar. Die Taliban hatten zum Wahlboykott aufgerufen und mit Anschlägen gedroht.

Trotzdem sind vor allem viele junge Leute zur Wahl gegangen und haben ihre Stimme abgegeben. Sie hoffen auf bessere Lebensbedingungen in Afghanistan und auf ein Ende von Krieg und Terror.

Mohammed Yar, ein Universitätsstudent aus Kabul, ist zur Wahl gegangen, weil das Land seiner Ansicht nach gut ausgebildete Abgeordnete im Parlament brauche. "Dafür gebe ich meine Stimme ab. Wir leben in einem unsicheren Land und ich hoffe, dass es in Zukunft besser wird."

Anzeichen für Korruption

Zweifel am Zustandekommen einer fairen und nach demokratischen Prinzipien durchgeführten Wahl gab es schon im Vorfeld. Dem politischen Analysten Ghulam Jelani Zwak zufolge sind die Voraussetzungen für Wahlen in Afghanistan schlecht. Es gebe keinen Frieden, "fast die Hälfte des Landes ist unter der Kontrolle der Taliban und anderer Gruppen. Also dort können gar keine Wahlen stattfinden. Und dann gibt es noch viele Anzeichen für Korruption bei der Wahl".

Im nächsten Jahr sollen die bedeutenderen Präsidentschaftswahlen stattfinden. Bis dahin muss die Regierung noch zeigen, dass sie für Sicherheit sorgen kann, um das Vertrauen der Bevölkerung in die Demokratie zu stärken.

Gewalt bestimmt Parlamentswahl in Afghanistan
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
21.10.2018 11:19 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Oktober 2018 um 12:00 Uhr.

Darstellung: