Soldaten stehen vor einer Geburtsklinik in Kabul | Bildquelle: AP

Terror in Afghanistan Armee soll wieder zum Angriff übergehen

Stand: 13.05.2020 09:08 Uhr

Mehrere Anschläge haben den Friedensvertrag für Afghanistan schon ins Wanken gebracht. Nach erneuten Angriffen hat Präsident Ghani nun angeordnet, die "Operationen gegen den Feind" wieder aufzunehmen.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Nach einem Angriff auf eine Geburtsklinik in Kabul mit mindestens 16 Toten und einem Anschlag auf eine Beerdigung in Nangahar mit 24 getöteten Trauergästen hat Afghanistans Präsident Ashraf Ghani die Wiederaufnahme der militärische Offensive gegen die Taliban angeordnet.

"Militärische Operationen gegen den Feind"

Zum Schutz der Bevölkerung und der Infrastruktur des Landes sei es notwendig geworden, die defensive Haltung der Streitkräfte zu beenden und wieder zum Angriff überzugehen, sagte Ghani in einer Fernsehansprache:

"Trotz unserer wiederholten Aufrufe und trotz der Appelle der internationalen Staatengemeinschaft haben die Taliban die Gewalt nicht reduziert und stattdessen ihre Angriffe noch verstärkt. Im Interesse der Sicherheit und zur Abwehr von Angriffen der Taliban und anderer Terrorgruppen befehle ich den Streitkräften, von der Defensive zur Offensive umzuschalten und militärische Operationen gegen den Feind zu starten."

Aschraf Ghani | Bildquelle: REUTERS
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Nach den erneuten Anschlägen hat Afganistans Präsident Ghani angeordnet, wieder auf Angriff überzugehen.

IS reklamiert Tat in Kabul für sich

Dabei waren die Taliban für die beiden blutigen Anschläge gestern möglicherweise gar nicht verantwortlich. Zu dem Angriff auf die Geburtsklinik in der afghanischen Hauptstadt bekannte sich die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS).

Angreifer in Polizeiuniformen waren in das Gebäude der Organisation Ärzte ohne Grenzen gestürmt und hatten um sich geschossen. Erst nach mehreren Stunden konnten die Sicherheitskräfte den Angriff beenden.

Noch am Abend begannen die Aufräumarbeiten. Abdul Hadi, ein Vertreter des betroffenen Bezirks:

"Allein in diesem Leichenschauhaus liegen acht tote Frauen, sieben weitere dort drüben. Die waren alle mit Schlägen auf den Kopf übel zugerichtet worden."

Anschlag auf Beerdigungsfeier

Wer den Selbstmordanschlag auf die Beerdigungsfeier für den Kommandanten einer lokalen Miliz in Nangarhar verübt hat, ist noch unklar. 24 Trauergäste seien getötet worden. Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschaheed verkündete per Twitter, die Taliban hätten damit nichts zu tun.

Die Region war eine Hochburg des IS in Afghanistan, bis Präsident Ghani im vergangenen Jahr diese Terrororganisation für besiegt erklärte.

Nicht weniger Gewalt in dem Land

Um den Friedensprozess in Afghanistan noch zu retten, rief US-Außenminister Mike Pompeo die Regierung in Kabul und die Taliban dazu auf, beim Kampf gegen den IS zusammenzuarbeiten. Die Täter müssten zur Rechenschaft gezogen werden, erklärte Pompeo.

In den vergangenen Wochen hatten die USA aber auch beklagt, dass die Taliban die Gewalt in Afghanistan nicht wie vereinbart reduziert hätten. Dies war Teil des Abkommens von Doha, das die USA und die Taliban im Februar unterzeichnet hatten. Dabei war auch eine Reduzierung der US-Truppen in Afghanistan von gut 13.000 Soldaten auf rund 8.000 angekündigt worden. Bereits im März wurden kehrten die ersten US-Einheiten nach Hause zurück.

Afghanistans Präsident ordnet Wiederaufnahme der Militäroffensive gegen Taliban an
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
13.05.2020 08:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Mai 2020 um 14:00 Uhr.

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