Karte: Afghanistan, Kundus, Kabul

Taliban auf dem Vormarsch Schwere Kämpfe in afghanischen Kundus

Stand: 10.08.2021 11:38 Uhr

In nordafghanischen Stadt Kundus hat es erneut heftige Kämpfe zwischen Streitkräften und den radikalislamischen Taliban gegeben. Diese hatten in den vergangenen drei Tagen bereits drei Provinzhauptstädte erobert.

Afghanische Streitkräfte und radikalislamische Taliban haben sich schwere Kämpfe im Zentrum der nördlichen Provinzhauptstadt Kundus geliefert. "In verschiedenen Teilen der Stadt finden heftige Kämpfe in den Straßen statt", sagte Amruddin Wali, ein Mitglied des Provinzrats. Einige Sicherheitskräfte hätten sich in Richtung des Flughafens zurückgezogen.

Die Nachrichtenagentur AFP meldet, die Stadt sei bereits gefallen. Offiziell bestätigt ist das bislang allerdings nicht. Die Stadt wird seit Wochen von den Taliban belagert. Bislang waren jedoch nur Kämpfe am Stadtrand gemeldet worden. 

Während des Krieges in Afghanistan war die Bundeswehr rund ein Jahrzehnt lang in Kundus stationiert. Von 2003 bis 2013 überwachten deutsche Soldaten vom Feldlager Kundus die Sicherheit im Norden des Landes.

Provinshauptstadt Sar-i Pul erobert

Zudem eroberten die Taliban eine weitere Provinzhauptstadt im Norden Afghanistans. Sar-i Pul in der gleichnamigen Provinz sei an die Islamisten gefallen, bestätigten die Provinzräte Asadullah Churam und Mohammed Nur Rahmani.

Den Behördenvertretern zufolge haben die Taliban in Sar-i Pul nun die wichtigsten Regierungsgebäude unter ihrer Kontrolle. Alle Vertreter der Regierung hätten sich in eine Militärbasis rund einen Kilometer vom Zentrum der Stadt zurückgezogen, die belagert sei. Die Taliban feuerten Mörsergranaten auf die Basis. Sar-i Pul hat geschätzt 180.000 Einwohner. Die Provinz, in der Ölvorkommen gefördert werden, grenzt unter anderem im Osten an die Provinzen Balch mit der Hauptstadt Masar-i-Scharif und im Norden an die Provinz Dschausdschan. Die Regierung halte in der Provinz nur noch den Bezirk Balchab, sagten die Provinzräte weiter.

Starke Gebietsgewinne für die Taliban

Am Freitag war bereits die kleine Provinzhauptstadt Sarandsch in Nimrus an der iranischen Grenze praktisch kampflos an die Taliban gefallen. Am Samstag folgte die Stadt Schiberghan in Dschausdschan im Norden. Somit sind binnen drei Tagen drei Provinzhauptstädte im Land von den Taliban überrannt worden.

Seit dem Beginn des Abzugs der US- und NATO-Truppen Anfang Mai haben die Taliban in mehreren Offensiven massive Gebietsgewinne verzeichnet. Die radikalislamische Miliz kontrolliert bereits weite Teile der ländlichen Regionen und verstärkt nun den Druck auf Provinzhauptstädte wie Herat nahe der Grenze zum Iran sowie Laschkar Gah und Kandahar im Süden. Die US-Militärmission in Afghanistan endet am 31. August. Der Abzug ist US-Angaben zufolge zu mehr als 95 Prozent abgeschlossen.