Ein Soldat schwenkt eine afghanische Flagge. | Bildquelle: AP

Afghanistan Friedensverhandlungen sollen morgen starten

Stand: 11.09.2020 01:53 Uhr

Morgen sollen die Friedensverhandlungen zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban in Doha beginnen. Die USA haben einen weiteren Truppenabzug angekündigt, doch die Gewalt nimmt zu.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Südasien

Mehr als ein halbes Jahr nach der Unterzeichnung einer Friedensvereinbarung zwischen den USA und den Taliban soll jetzt der innerafghanische Dialog beginnen. Auftakt der Verhandlungen sei morgen in Doha, bestätigten Vertreter beider Seiten. Die US-Regierung begrüßte den Termin.

Die Taliban sind bereits in Doha, die afghanische Regierungs-Delegation, unter Führung des Vorsitzenden des Hohen Rates für Nationale Versöhnung, Abdullah Abdullah, werde heute im Laufe des Tages anreisen, hieß es. Auch US-Außenminister Mike Pompeo werde dabei sein, kündigte Präsident Donald Trump gestern Abend in Washington an. Er sprach von einer historischen Reise.

"Wir haben schon seit einiger Zeit mit den Taliban verhandelt, es gab große Fortschritte. Wir haben eine ganze Reihe von Soldaten von dort abgezogen. In Kürze werden wir unsere Truppen in Afghanistan auf 4.000 reduzieren. Wir verstehen uns gut mit den Taliban und auch mit den Vertretern Afghanistans. Mal sehen wie es läuft bei der Verhandlung."

Hoffnung längst verflogen

Mit Musik und Freudentänzen hatten die Afghanen die Unterzeichnung des Friedensabkommens von Doha gefeiert. Doch die hoffnungsvolle Stimmung ist längst verflogen. Die Gewalt hat seitdem wieder zugenommen. Fast täglich gab es in den vergangenen Monaten Angriffe der Taliban auf afghanische Regierungstruppen, und auch US-Soldaten wurden immer wieder Ziel von Anschlägen und Angriffen. Erst kürzlich rief NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg die Taliban erneut dazu auf, ihre Zusagen von Doha zu erfüllen:

"Die Gewalt ist noch nicht so weit reduziert, wie wir es erwarten. Wir rufen die Taliban dazu auf, die Gewalt zu reduzieren und ernsthafte Gespräche mit der Regierung zu beginnen. Außerdem müssen die Taliban all ihre Verbindungen mit Al-Kaida und anderen Terrororganisationen abbrechen."

Doch die Verbindungen zwischen den Taliban und Al-Kaida bestehen weiter, heißt es in einem UN-Bericht, der Ende Mai vorgestellt wurde. Al-Kaida sei weiterhin stark in Afghanistan und operiere unter dem Schutz der Taliban.

Verbindung zu Al-Kaida als Kriegsgrund vor 19 Jahren

Dabei war vor 19 Jahren war diese Verbindung der Auslöser für die Kriegserklärung gegen die Taliban. Von Afghanistan aus hatte der Anführer der Terrororganisation Al-Kaida, Osama bin Laden, den Anschlag auf das World Trade Center in New York geplant und gesteuert. US-Präsident George W. Bush ordnete daraufhin die US-Intervention in Afghanistan an, mit dem Ziel, Osama bin Laden zu finden und die Taliban, die ihn beherbergten, zu stürzen.

"Diese Terrorgruppe und ihr Anführer, Osama bin Laden, hat großen Einfluss in Afghanistan. Er unterstützt das Taliban-Regime bei der Unterdrückung des Landes. In Afghanistan sehen wir die Vision von Al-Kaida für die ganze Welt. Die Vereinigten Staaten respektieren das afghanische Volk, aber wir verurteilen das Taliban-Regime. Unser Feind ist ein radikales Terror-Netzwerk und jede Regierung, die dieses Netzwerk unterstützt."

Nach dem weitgehenden Abzug der US-Truppen holen möglicherweise auch andere NATO-Staaten ihre Soldaten aus Afghanistan zurück. Rund 1.000 Bundeswehr-Soldatinnen und Soldaten sind noch im Rahmen der Ausbildungs- und Unterstützungsmission Resolute Support am Hindukusch stationiert.

Lösung für den Konflikt fraglich

Doch ob bei dem geplanten innerafghanischen Dialog eine Lösung für den Konflikt in Afghanistan erreicht werden kann, ist fraglich. Die Vorstellungen der Taliban von der Zukunft des Landes, sind mit den gesellschaftlichen Veränderungen, die in den vergangenen 19 Jahren vollzogen wurden, kaum vereinbar.

Sie wollen wieder ein islamisches Emirat Afghanistan errichten, mit der Scharia, anstelle der jetzt geltenden Verfassung der islamischen Republik Afghanistan. Ob am Ende des jetzt beginnenden innerafghanischen Dialogs Frieden in Afghanistan einkehrt, bleibt somit ungewiss.

Friedensgespräche für Afghanistan
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
11.09.2020 06:46 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 11. September 2020 um 08:15 Uhr.

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