Afghanische Sicherheitsleute nahe der Stadt Herat. | Bildquelle: JALIL REZAYEE/EPA-EFE/REX

Afghanistan-Konflikt Friedensplan gegen das Blutvergießen?

Stand: 28.10.2019 11:19 Uhr

Afghanistans Regierung versucht, wieder Friedensgespräche mit den Taliban zu führen. Ein Sieben-Punkte-Plan sieht den Abzug der NATO-Truppen vor. Doch wie realistisch ist diese Vorbedingung?

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Während der US-Sondergesandte für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, in der Region unterwegs ist, um die vor rund zwei Monaten abgebrochenen Friedensgespräche mit den Taliban wieder in Gang zu bringen, hat Präsident Ashraf Ghani offenbar einen eigenen Friedensplan entwickelt.

In einem als vertraulich gekennzeichneten Dokument, das der afghanische Fernsehsender TOLO News veröffentlichte, sind sieben Punkte aufgelistet, die dazu beitragen sollen, den Friedensprozess voranzubringen und das Blutvergießen in Afghanistan zu beenden.

Zu den Punkten gehören unter anderem direkte Gespräche mit den Taliban, auf der Grundlage einer Zusage der USA und der NATO, ihre Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Zuvor müssten die Taliban aber einem Waffenstillstand zustimmen.

Die USA und die NATO sollten einen Abzugsplan entwickeln, heißt es in dem nicht offiziell bestätigten Dokument, sowie ein Konzept über die künftige Zusammenarbeit, nach einem Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan.

Stoltenberg gegen verfrühten Abzug

Erst vor Kurzem war bekannt geworden, dass die USA im Laufe des vergangenen Jahres offenbar schon rund 2000 ihrer Soldaten aus Afghanistan zurückgeholt haben. Über einen weiteren Abzug der internationalen Truppen sei noch keine Entscheidung gefallen, bekräftigte vor wenigen Tagen NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg, beim Treffen der NATO-Verteidigungsminister in Brüssel: "Wir sind gemeinsam nach Afghanistan gegangen. Wir werden gemeinsam darüber entscheiden, wie lange wir dort bleiben und wann es Zeit ist, von dort abzuziehen."

Zwar wolle die NATO nicht länger in Afghanistan bleiben, als nötig, aber wenn sie zu früh ihre Truppen abziehe, könnte der Preis dafür sehr hoch sein, warnte der Generalsekretär. Zum einen für das afghanische Volk, das dann erneut unter einem islamistischen Taliban-Regime zu leiden hätte und zum anderen für die NATO, weil ihr Kampf gegen den internationalen Terrorismus, vor allem gegen den IS geschwächt würde.

China bot sich als Vermittler an

Für Frieden in Afghanistan, so heißt es in dem inoffiziellen Papier der afghanischen Regierung weiter, müssten auch Gespräche mit Pakistan geführt werden. Pakistan sei - so wörtlich - die Wurzel des Problems und die afghanische Regierung wolle die Zusicherung Pakistans, dass dort künftig keine Terroristen mehr beherbergt würden.

China, einer der wichtigsten Verbündeten Pakistans, hatte vergangene Woche zu Friedensgesprächen nach Peking eingeladen. Man sei bereit, im inner-afghanischen Dialog zu vermitteln, sagte die Sprecherin des Außenministeriums in Peking. Die für heute erwarteten Gespräche zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung wurden aber kurzfristig wieder abgesagt.

Afghanistan - inoffizieller Friedensplan
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
28.10.2019 09:57 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Oktober 2019 um 08:39 Uhr.

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