Zwei Häftlinge im berüchtigten Pul-e-Charkhi-Gefängnis in Kabul. | Bildquelle: AP

US-Gespräche mit Taliban "Frieden ist die einzige Hoffnung für uns"

Stand: 30.12.2019 15:00 Uhr

Die Gespräche zwischen den USA und den Taliban in Afghanistan kommen offenbar voran. Die Taliban sollen zu einem Waffenstillstand bereit sein. In den Gefängnissen machen sich gefangene Kämpfer Hoffnung.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Im berüchtigten Pul-e Charkhi Gefängnis in der afghanischen Hauptstadt Kabul sitzen unbestätigten Angaben zufolge bis zu 3000 Taliban-Häftlinge. Eine Reporterin der Nachrichtenagentur AP hatte Gelegenheit, die Gefangenen zu interviewen, darunter den Anführer der Gruppe, Maulvi Niaz Mohammad. "Frieden ist die einzige Hoffnung für uns. Hier drinnen werden wir diskriminiert, gedemütigt und gefoltert. Für jede Kleinigkeit wird unsere Haftstrafe verlängert, manchmal jahrelang."

Ein anderer Taliban, der seine Identität nicht preisgeben wollte, bestätigte die Gewalt in der Haftanstalt. "Viele unserer Freunde wurden schon ermordet, hier im Gefängnis. Wegen Kleinigkeiten werden wir von den Wärtern geschlagen, verletzt und sogar getötet. Das ist schon oft vorgekommen", berichtet er.

Berüchtigt für exzessive Gewalt

Die Haftanstalt  Pul-e Charkhi in Kabul ist das größte Gefängnis Afghanistans und berüchtigt für exzessive Gewalt hinter den Mauern, mehrere blutige Aufstände der Insassen und Ausbruchsversuche. Gebaut wurde das Gefängnis in den 1970er-Jahren, mit Platz für rund 5000 Häftlinge. Zurzeit ist es den Angaben zufolge mit mehr als 10.000 Häftlingen komplett überbelegt.

Die Taliban würden behandelt, wie alle anderen Gefangenen auch, sagt Gefängnisdirektor Akhtar Mohammad Noorzoy. "Hier im Gefängnis geht es denen doch besser als zuhause. Sie bekommen jeden Tag etwas zu essen, davon drei Mal pro Woche Fleisch, außerdem Bohnen und Obst. Es gibt einen Arzt, zu dem sie gehen können und sie können sich auf dem Gefängnisgelände frei bewegen."

Essenszubereitung im Pul-e-Charkhi-Gefängnis in Kabul. | Bildquelle: AP
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Essenszubereitung im Pul-e-Charkhi-Gefängnis in Kabul.

Wer macht den ersten Schritt?

Ob es, wie angekündigt, schon bald zu einer Waffenstillstandsvereinbarung kommt und ob dann auch der schon lange angekündigte inner-afghanische Dialog beginnt, ist unklar. Offenbar gibt es noch grundlegende Meinungsverschiedenheiten zwischen den Taliban und den USA über den ersten Schritt.

Während die USA vor einer Festlegung auf einen Abzug ihrer Truppen einen Waffenstillstand verlangen, machen die Taliban den Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan zur Voraussetzung für ein Ende der Gewalt.

"Code Black" in Kabul

In Kabul gilt in diesen Tagen für Botschaftsangehörige und Mitarbeiter internationaler Nichtregierungsorganisationen erneut "Code Black", das heißt Ausgehverbot - aus Sicherheitsgründen. Offenbar wird vor einer möglichen Waffenstillstandsvereinbarung noch mit einem größeren Anschlag gerechnet.

Und allen Entspannungssignalen zum Trotz: Bei Angriffen der Taliban auf Regierungseinrichtungen in der nördlichen Provinz Dschawdschan wurden heute 14 afghanische Sicherheitskräfte getötet.

Afghanistan: Friedensgespräche kommen voran
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
30.12.2019 14:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info im Echo des Tages am 30. Dezember 2019 um 18:30 Uhr.

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