Eine A400M-Maschine der Bundeswehr landet in Taschkent. | dpa

Afghanistan Bundeswehr-Einsatz in Kabul beendet

Stand: 27.08.2021 00:48 Uhr

Die Bundeswehr hat ihren Evakuierungseinsatz in Kabul beendet, die letzten Flüge haben die afghanische Hauptstadt verlassen. Laut Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer wurden alle Soldaten ausgeflogen.

Der deutsche Evakuierungseinsatz in der afghanischen Hauptstadt Kabul ist beendet. "Wir beenden die Luftbrücke mit dem heutigen Tag", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer erklärte, die letzten Flugzeuge hätten den Flughafen in Kabul verlassen. "Alle Soldaten und Angehörige des Auswärtigen Amtes und der Bundespolizei" seien ausgeflogen worden, so die CDU-Politikerin.

Dies gelte auch für zwei Bundeswehrsoldaten, die zunächst hätten zurückgelassen werden müssen. Sie seien mit dem Krankenhaus-Airbus am Abend ausgeflogen worden.

Die Einsatzkräfte der Bundeswehr werden am Nachmittag in Deutschland erwartet. Bei der Ankunft im niedersächsischen Wunstorf werden sie von Kramp-Karrenbauer, Generalinspekteur Eberhard Zorn, der Wehrbeauftragten des Bundestages, Eva Högl (SPD), und weiteren Politikerinnen und Politikern in Empfang genommen, wie die Bundeswehr am Abend mitteilte. Die Rückkehr werde gegen 16.00 Uhr erwartet.

Zwei Explosionen am Flughafen

Der Flughafen von Kabul war gestern von zwei Explosionen im Umfeld des Geländes erschüttert worden, mehrere Menschen wurden getötet. Die Anschläge hätten deutlich gemacht, "dass eine Verlängerung der Operation in Kabul nicht möglich war", sagte Kramp-Karrenbauer. Die Sicherheitslage und die Entscheidung der Taliban, die militärischen Evakuierungen nach dem 31. August nicht mehr zu dulden, würden das nicht ermöglichen.

Der Ministerin zufolge hat die Bundeswehr insgesamt 5347 Menschen, darunter mehr als 4000 Afghanen und rund 500 Deutsche, über die Luftbrücke zunächst nach Taschkent und teilweise bereits weiter nach Deutschland ausgeflogen. Kramp-Karrenbauer sagte, auch nach dem Ende der Evakuierungsoperation bleibe Deutschland in der Verantwortung für die Menschen, die nicht mehr ausgeflogen werden konnten. "Für sie ist das Ende dieser Luftbrücke der Moment größter Sorge", sagte sie. Ihre Aufnahmezusagen blieben gültig.

Merkel: "Niederträchtiger Anschlag"

Kanzlerin Merkel erklärte mit Blick auf die Explosionen, man gehe von einem oder mehreren Selbstmordanschlägen aus. "Dies ist ein absolut niederträchtiger Anschlag", sagte sie. Man werde die Menschen, die mit der Luftbrücke nicht mehr in Sicherheit hätten gebracht werden können, nicht vergessen. "Wir werden uns weiter um ihre Ausreise bemühen." Man sei "mit Hochdruck und Nachdruck dabei", Bedingungen mit den Taliban darüber auszuhandeln.

Maas: Versuchen weiter Ausreisemöglichkeiten zu schaffen

Über mögliche deutsche Opfer des Anschlags gibt es laut Außenminister Heiko Maas derzeit keine Informationen. Auch dem SPD-Politiker zufolge arbeitet die Bundesregierung daran, Ausreisemöglichkeiten für verbliebene Ortskräfte und besonders gefährdete Menschen zu schaffen. "Die militärische Evakuierung ist nun beendet. Aber unsere Arbeit geht weiter - und zwar solange, bis alle in Sicherheit sind, für die wir in Afghanistan Verantwortung tragen."

Die Hilfsaktion gehe nun in eine neue Phase. Man stehe weiter in direktem Kontakt mit den in Afghanistan verbliebenen deutschen Staatsangehörigen. Um eine Ausreise zu ermöglichen, führe man Gespräche mit verschiedenen Partnern und auch mit den Taliban. Dabei gehe es unter anderem um den Weiterbetrieb des Flughafens.

Maas machte klar, dass man sich auch weiter darum kümmern werde, dass Afghaninnen und Afghanen das Land verlassen können. Botschaften in den Nachbarstaaten hätten die Anweisung, allen ehemaligen Mitarbeiten von Bundeswehr und Bundesministerien, die bereits eine Aufnahmegenehmigung haben, Einreisepapiere zu erteilen. Auch für andere besonders gefährdete Afghanen werde eine "Ausreiseperspektive" geschaffen.

"Das können wir uns nicht mehr erlauben"

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, André Wüstner, sagte unterdessen im Interview mit den tagesthemen, die Bundesregierung sei "nur bedingt strategiefähig". Das sei "das wesentliche Lesson-Learned der nächsten Bundesregierung". Auch bei der vernetzten Zusammenarbeit der Ressorts müsse man besser werden. "Das geht so nicht", betonte Wüstner auch mit Blick auf das Engagement im Irak und in der Sahelzone. "Das können wir uns nicht mehr erlauben."

Aufgrund der "chaotischen Zustände" seien viele Soldatinnen und Soldaten wütend und frustriert - auch mit Blick auf die Tatsache, dass vielleicht noch Freunde in Afghanistan seien. "Ortskräfte, die man kennengelernt hat", so Wüstner.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 26. August 2021 um 19:00 Uhr.