Anschlag in der Provinz Sabul. | Bildquelle: AP

Anschlag in Afghanistan Tote durch Autobombe vor Klinik

Stand: 23.09.2019 11:43 Uhr

Fast täglich kommt es derzeit in Afghanistan zu Anschlägen. Mindestens 20 Menschen starben nun bei der Explosion einer Autobombe vor einem Krankenhaus im Süden des Landes. Die Taliban reklamierten die Tat für sich.

Bei einem Selbstmordanschlag vor einem Krankenhaus im Süden Afghanistans sind nach Regierungsangaben mindestens 20 Menschen getötet und mehr als 90 weitere verletzt worden. Die in einem Lastwagen versteckte Bombe explodierte am Morgen vor dem Eingang zur Klinik in Kalat, der Hauptstadt der Provinz Sabul, wie der TV-Sender Tolo News meldete. Dabei sei das Krankenhaus schwer getroffen worden. Unter den Opfern seien auch Patienten, Ärzte und Krankenpfleger. Mehrere Rettungswagen sind zerstört.

Anschlag in der Provinz Sabul. | Bildquelle: dpa
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Die Taliban reklamierten den Anschlag in der Provinz Sabul für sich.

Taliban zielten auf Geheimdienstgebäude

Die radikalislamischen Taliban reklamierten die Bluttat für sich. Ziel sei jedoch ein nahe gelegenes Geheimdienstgebäude gewesen, teilte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahed bei Twitter mit. Dies sei zerstört worden. Zahlreiche Geheimdienstfunktionäre seien getötet oder verletzt worden. Hakbajan teilte mit, eine Mauer des Gebäudes der Nationalen Sicherheitsbehörde NDS sei beschädigt worden. Ob Mitarbeiter unter den Opfern seien, wusste er noch nicht.

Der Sprecher des afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani, Sedik Sedikki, verurteilte den Anschlag. Die Taliban "greifen weiterhin Zivilisten an, während ihre Anführer in den Iran und nach Russland reisen", twitterte Sedikki. Das war ein Verweis darauf, dass Taliban-Unterhändler vor kurzem im Ausland Unterstützung gesucht haben.

Die Taliban verüben seit dem Scheitern von Friedensverhandlungen mit den USA im September fast täglich Anschläge. Bei zwei separaten Bombenanschlägen am Dienstag wurden 48 Menschen getötet, von denen die Mehrheit Zivilisten waren. Die Taliban übernahmen die Verantwortung für beide Angriffe. Einer richtete sich gegen eine Wahlkampfveranstaltung von Ghani.

Berichte über Luftangriff im Osten des Landes

Im Osten Afghanistans gab es Regierungskreisen zufolge außerdem einen Luftangriff. Dabei sollen mindestens 30 Menschen getötet und 40 weitere verletzt worden sein. Der Angriff der afghanischen Sicherheitskräfte mit Unterstützung der USA in der Nacht zuvor hätte ein Versteck der Islamisten-Miliz IS zum Ziel gehabt, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters drei Regierungsvertreter. Stattdessen seien aber Bauern in der Nähe eines Feldes getroffen worden. Das Verteidigungsministerium in Kabul bestätigte den Angriff, äußerte sich aber nicht zur Zahl der Todesopfer. Das US-Militär war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Fast täglich Anschläge

Eine Aufstellung des britischen Nachrichtensenders BBC zeichnet ein verheerendes Bild der Sicherheitslage: Demnach sind allein im Monat August 473 Zivilisten getötet worden. Bei 611 Vorfällen kamen insgesamt 2307 Menschen ums Leben - die Mehrzahl der Todesopfer waren Taliban-Kämpfer oder Sicherheitspersonal, doch Zivilisten machten ein Fünftel der im Konflikt Getöteten aus.

Afghanistan soll am 28. September einen neuen Präsidenten wählen. Der 70-jährige Ghani gilt als Favorit. Auch diesmal haben die Taliban angekündigt, die Abstimmung zu stören und Anschläge auf Wahllokale zu verüben.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. September 2019 um 11:00 Uhr.

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