Karte: Afghanistan mit den Provinzen Sar-e Pul und Helmand

Afghanistan 18 Tote bei Bombenanschlägen

Stand: 11.10.2020 15:05 Uhr

Während die Friedensverhandlungen laufen, hat es in Afghanistan erneut Anschläge gegeben. Mindestens 18 Menschen starben. Erst am Mittwoch hatte US-Präsident Trump einen baldigen Truppenabzug aus dem Land in Aussicht gestellt.

Bei zwei Bombenanschlägen in Afghanistan sind am Wochenende mindestens 18 Menschen getötet worden. Wie die Behörden mitteilten, kamen in der nördlichen Provinz Sar-e Pul am Samstag 13 Menschen um - unter ihnen drei Zivilisten -, als ein Sprengsatz neben einem vorbeifahrenden Fahrzeug explodierte. Auch drei Soldaten wurden verwundet. Vorausgegangen war ein stundenlanges Feuergefecht mit den militant-islamistischen Taliban.

Ebenfalls am Samstag war in der südlichen Provinz Helmand ein Sprengsatz am Straßenrand explodiert, als ein Bus vorbeifuhr. Mindestens fünf Menschen wurden nach Regierungsangaben getötet und mindestens zehn Menschen verletzt. Die Regierung machte die Taliban für die Tat verantwortlich. Diese reagierte bisher nicht.

Die Provinz Sar-e Pul ist schon lange heftig umkämpft. Der Provinzrat Aminullah Aydin sagte, dass in den vorangegangenen 48 Stunden mindestens 46 afghanische Sicherheitskräfte in verschiedenen Teilen der Provinz von den Taliban getötet, verwundet oder gefangen genommen wurden.

Trump stellt baldigen US-Abzug in Aussicht

Der blutige Konflikt zwischen der Regierung in Kabul und ihren westlichen Alliierten auf der einen und den Taliban auf der anderen Seite tobt schon seit fast 20 Jahren. Erst am Mittwoch hatte US-Präsident Donald Trump überraschend einen vollständigen Abzug der US-Streitkräfte aus Afghanistan zum Jahresende in Aussicht gestellt.

Ursprünglich hatten sich die USA in einem mit den Taliban geschlossenen Abkommen verpflichtet, ihre Streitkräfte bis Mitte 2021 schrittweise abzuziehen. Im Gegenzug sagten die Aufständischen Friedensverhandlungen mit der Regierung in Kabul zu. Die Gespräche haben im September begonnen, bisher aber ohne Fortschritte.

Taliban hoffen auf Wahlsieg Trumps

Die Taliban begrüßten Trumps Ankündigung eines früheren Abzugs. Am Wochenende erklärten sie auch, ihn im Bemühen um eine Wiederwahl zum US-Präsidenten zu unterstützen. "Wir hoffen, dass er die Wahl gewinnt und die US-Militärpräsenz in Afghanistan abwickelt", sagte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid dem Sender CBS.

Der Sprecher von Trumps Wahlkampfteam, Tim Murtaugh, wies die Unterstützung der Miliz zurück. "Die Taliban sollten eigentlich wissen, dass der Präsident immer die Interessen der USA mit allen notwendigen Mitteln schützen wird."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. Oktober 2020 um 04:00 Uhr.

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