Sicherheitskräfte am Anschlagsort in Kabul. | Bildquelle: AP

Taliban bekennen sich 48 Tote bei Anschlägen in Afghanistan

Stand: 17.09.2019 16:30 Uhr

In Afghanistan sind bei zwei Anschlägen der Taliban zahlreiche Menschen getötet worden. Seit die USA die Verhandlungen mit den Islamisten abgebrochen haben, nehmen die Angriffe im Land wieder zu.

Von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu-Delhi

Auf Bildern des afghanischen Nachrichtensenders Tolo News ist ein völlig verkohlter Polizeiwagen zu sehen. Eine Bombe sei darunter befestigt worden und in der Nähe der Wahlkampfveranstaltung des afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani explodiert, sagte ein Sprecher aus der Provinz Parwan. Nach Angaben des Provinzkrankenhauses kamen mindestens 26 Menschen ums Leben. Der Präsident selbst blieb unverletzt. Die Taliban bekannten sich zu dem Anschlag. Sie sagten, sie hätten afghanische Sicherheitskräfte treffen wollen, die den Wahlkampfauftritt hätten beschützen sollen.

Der Chef eines lokalen Krankenhauses in der Provinz allerdings sagte, dass bei dem Anschlag vor allem Zivilisten getroffen worden seien. Die Taliban hatten die Afghanen schon zu Beginn des Wahlkampfes gewarnt, sich von Wahlveranstaltungen fern zu halten, um nicht zu einem potenziellen Ziel zu werden. Die radikalen Islamisten halten nichts von demokratischen Wahlen und wollen sie mit ihren Anschlägen verhindern. Die Präsidentschaftswahlen sollen am 28. September stattfinden. 

Ein verkohlter Polizeiwagen nach einem Anschlag in der afghanischen Provinz Parwan. | Bildquelle: AP
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Sicherheitskräfte inspizieren den verkohlten Wagen am Anschlagsort in der Provinz Parwan.

Mindestens 22 Tote in Kabul

Auch in der Hauptstadt Kabul führten die Taliban einen Anschlag aus. Mindestens 22 Menschen wurden getötet, als sich ein Selbstmordattentäter vor einer Einrichtung des Verteidigungsministeriums in die Luft sprengte. Weitere 38 Zivilisten seien verletzt worden, teilte das Innenministerium mit.

Einer der Verletzten ist Mustafa Ghiasi, der der Nachrichtenagentur Reuters aus dem Krankenbett ein Interview gab. "Ich habe in der Schlange des Rekrutierungszentrums angestanden", sagte er. "Und auf einmal hörte ich diesen lauten Knall."

Auch ein Mann namens Javed war in der Nähe, als die Explosion einschlug, blieb aber unverletzt. "Es war genau hier vor dem Eingang, wo die Leute anstehen, um sich bei der Armee zu bewerben", sagte er. "Erst standen sie nur dort. Dann sind ihre Körper durch die Luft geflogen."

Taliban bekräftigen Willen zum Abkommen

Ganz in der Nähe liegt auch die US-Botschaft in Kabul. Die USA und die Taliban hatten eigentlich seit Juli 2018 über eine politische Lösung des Konflikts in Afghanistan gesprochen. Ein Abkommen zwischen den beiden Verhandlungspartnern schien zum Greifen nahe. Doch vor einer Woche erklärte US-Präsident Donald Trump die Verhandlungen für gescheitert.

Seitdem sind die Angriffe auf beiden Seiten wieder stärker geworden. Dabei hatte Sher Mohammad Abbas Stanikzai, der Vizechef des politischen Büros der Taliban, am Morgen der BBC noch ein Interview gegeben. Darin bekräftigte er, dass die Taliban nach wie vor gewillt seien, das Abkommen mit den USA zu unterzeichnen. Danach könnte es zu einem Waffenstillstand mit den USA kommen.

Die Taliban sind in der letzten Woche auch nach Moskau gereist, am Montag waren sie zu Gesprächen mit dem Außenminister im Iran unterwegs. In Afghanistan selbst allerdings reden die verfeindeten Parteien nicht miteinander. Die Gewalt im Land dauert weiter an. 

Anschlag auf Wahlkampfveranstaltung von Präsident Ghani
Silke Diettrich, ARD Neu-Delhi
17.09.2019 12:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. September 2019 um 12:00 Uhr.

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