Afghanische Sicherheitskräfte am Anschlagsort in Kabul | Bildquelle: REUTERS

Afghanistan Viele Tote bei Angriff in Kabul

Stand: 06.03.2020 20:17 Uhr

Bei einem Angriff auf eine Gedenkveranstaltung in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind mehr als 30 Menschen getötet worden. Die Terrorgruppe "Islamischer Staat" reklamierte die Tat für sich.

In der afghanischen Hauptstadt Kabul haben Bewaffnete eine Gedenkveranstaltung angegriffen und mindestens 32 Zivilisten getötet. Weitere 81 Menschen wurden verletzt, wie ein Sprecher des afghanischen Innenministeriums sagte. Unter den Toten seien Frauen und Kinder. Die Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) reklamierte den Anschlag für sich.

Die Gedenkveranstaltung galt dem 25. Todestag von Abdul Ali Masari, einem schiitischen Führer der Minderheit der Hasara. Er wurde 1995 von den Taliban getötet. Nach offiziellen Angaben nahmen auch Regierungsgeschäftsführer und Oppositionsführer Abdullah Abdullah, der frühere Präsident Hamid Karsai sowie andere hochrangige Politiker an der Zeremonie teil. Die Politiker befänden sich in Sicherheit, sagte ein Sprecher Abdullahs.

"Verbrechen gegen die Menschlichkeit"

Laut Innenministerium erfolgte der Angriff von einem höher gelegenen Gebäude aus. Zunächst gab es während der im Fernsehen übertragenen Feier eine Explosion, dann fielen Schüsse. "Jeder fing an zu rennen", sagte der Augenzeuge Noor Mohammad der Nachrichtenagentur AP: "Überall lagen Verletzte. Und ich bin auch losgerannt, um mein Leben zu retten."

Husaain Ali, ein anderer Augenzeuge, berichtet: "Wir hörten die Gewehrschüsse und rannten sofort los. Wir haben die Veranstaltung so schnell wie möglich verlassen. Was danach passierte, weiß ich nicht."

Afghanistans Präsident Ashraf Ghani nannte den Anschlag auf Twitter "ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und gegen die nationale Einheit Afghanistans". Bereits 2018 und 2019 hatte es Angriffe auf Feierlichkeiten zu Ehren von Abdul Ali Masari gegeben, dabei kamen mehrere Menschen ums Leben. Damals bekannte sich die Terrormiliz IS zu den Anschlägen, die die Hasara in der Vergangenheit immer wieder angegriffen hatte. Zum jüngsten Anschlag äußerte sich die Gruppe nicht.

Abkommen zwischen USA und Taliban

Der Anschlag erfolgte wenige Tage nach dem Friedensschluss zwischen den USA und den radikal-islamischen Taliban. Das Abkommen sieht den Abzug aller ausländischen Truppen aus Afghanistan binnen 14 Monaten vor. Im Gegenzug haben sich die Taliban unter anderem zu einer Waffenruhe verpflichtet. Die Vereinbarung schürt Hoffnungen auf ein Ende des seit 18 Jahren andauernden Krieges in Afghanistan. Ob das Abkommen hält, ist offen.

Als eine der Hürden für den geplanten innerafghanischen Dialog mit den Taliban gilt der Streit um die Bildung einer neuen Regierung in Kabul. Am Montag soll der offizielle Wahlsieger Ghani vereidigt werden. Abdullah Abdullah aber will das offizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahl nicht anerkennen und hat die Bildung einer Gegenregierung angekündigt. Bei der Wahl im vergangenen Jahr war er einer der Kandidaten und landete knapp hinter Ghani auf Platz zwei.

IS reklamiert die Tat für sich

Der IS veröffentlichte ein Foto der beiden Attentäter vor einer IS-Flagge in den sozialen Netzwerken. Demnach hätten die beiden Männer die Gedenkveranstaltung in Kabul unter anderem mit Maschinengewehren, Handgranaten und Granatwerfern angegriffen.

Die Echtheit der Erklärung ließ sich noch nicht überprüfen. Sie wurde jedoch über die üblichen Kanäle des IS im Internet verbreitet. Rita Katz, Direktorin der auf Online-Propaganda von Extremisten spezialisierten Site Intelligence Group, sprach von einem Bekennerschreiben. Ziel des IS sei es, so viel Instabilität wie möglich nach dem USA-Taliban-Abkommen zu säen.

Mit Informationen von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Afghanistan: Anschlag in Kabul
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu Delhi
06.03.2020 13:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 06. März 2020 um 12:24 Uhr.

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