US-Armee in Afghanistan (Archivbild) | Bildquelle: REUTERS

US-Angriff auf Taliban Der Krieg ist nicht vorbei

Stand: 04.03.2020 14:28 Uhr

Trotz eines Abkommens haben die USA wieder Taliban angegriffen - nachdem diese das afghanische Militär attackiert hatten. Dessen ungeachtet soll der Friedensprozess weitergehen.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Südasien

Nachdem die Taliban in der südafghanischen Provinz Helmand einen afghanischen Militärposten angegriffen hatten, kamen die US-Streitkräfte mit Luftangriffen den Regierungstruppen zur Hilfe.

Es habe sich um eine rein defensive Aktion gehandelt, teilte der Sprecher der US-Streitkräfte in Afghanistan, Sonny Leggett über Twitter mit. Die USA fühlten uns dem Frieden verpflichtet, aber auch ihrer Verantwortung, die afghanischen Partner zu verteidigen, schrieb Leggett.

Zeit reduzierter Gewalt zu Ende

Es war der erste US-Einsatz gegen die Taliban seit elf Tagen. Bereits eine Woche vor der Vereinbarung vor Doha hatten sich alle Seiten an die vereinbarte Phase reduzierter Gewalt gehalten. Während dieser Zeit gab es deutlich weniger militärische Zusammenstöße als sonst.

Auch nach dem Abzug der US-Truppen seien die afghanischen Streitkräfte auf Luftunterstützung angewiesen, um gegen Angriffe der Taliban überhaupt eine Chance zu haben, meint Sushant Sareen, von der Observer Research Foundation, einem politischen Thinktank in Delhi: "Es war klar, dass der Krieg nicht gleich vorbei ist."

Selbst in der Vereinbarung von Doha sei ein Waffenstillstand als ein Ergebnis des geplanten innerafghanischen Dialogs aufgeführt, sagt Shareen. "Bis dahin wird weitergekämpft, und die Regierungstruppen sind weiter auf Unterstützung angewiesen. Sie brauchen etwas, was ihnen einen Vorteil gegenüber dem Feind verschafft, und das ist in erster Linie Luftunterstützung."

Die USA hatten am Wochenende mit den Taliban eine Vereinbarung geschlossen, die den Weg zum Frieden in Afghanistan ebnen soll und darin den Abzug der US-Truppen innerhalb von 14 Monaten in Aussicht gestellt. Unmittelbar nach der Unterzeichnung kündigten die Taliban jedoch die wieder Angriffe auf die afghanischen Streitkräfte an. Die Nichtangriffsvereinbarung gelte nur für die ausländischen Truppen, hieß es.

In den vergangenen Tagen gab es bereits mehrere Angriffe auf Regierungstruppen, unter anderem in den Provinzen Helmand, Nangarhar und auch in der nördlichen Provinz Balkh, wo die Bundeswehr ihren Standort hat.

Weiterer Dialog notwendig

US-General Mike Milley | Bildquelle: AFP
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US-General Milley sieht noch einen langen Weg bis zu einem möglichen Waffenstillstand in Afghanistan.

Auch die USA haben offenbar nicht erwartet, dass die Phase der reduzierten Gewalt anhalten wird, auch wenn ein landesweiter Waffenstillstand das große Ziel ist. "Niemand sollte glauben, dass die Gewalt in Afghanistan jetzt auf null runter geht", sagte der Vorsitzende der US-Stabschefs, General Mark Milley, vor wenigen Tagen. "Die Vereinbarung von Doha ist ein bedeutender Schritt nach vorne. Sie soll den innerafghanischen Dialog in Gang bringen, der dann einen Waffenstillstand zur Folge haben könnte. Aber bis dahin wird es weiter Gewalt geben."

Dabei steht selbst der innerafghanische Dialog noch unter Fragezeichen. Die Taliban erwarten vor Beginn der Gespräche die Freilassung von 5000 Gefangenen. Afghanistans Präsident Ashraf Ghani lehnt das ab.

 

Afghanistan - US-Luftangriffe auf Taliban
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
04.03.2020 13:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. März 2020 um 12:41 Uhr in der Sendung "Informationen am Mittag".

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