Afghanische Truppen in Helmand  | Bildquelle: WATAN YAR/EPA-EFE/Shutterstock

Abkommen für Afghanistan Taliban greifen wieder an

Stand: 04.03.2020 03:21 Uhr

Nach dem Abkommen mit den Taliban wollen die USA rasch mit dem Abzug beginnen. Unklar ist, wie es mit dem internationalen Einsatz weiter geht. Schon jetzt gerät das afghanische Militär wieder unter Beschuss.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Obwohl der Abzug der US-Truppen noch gar nicht richtig begonnen hat, sind die afghanischen Streitkräfte schon wieder Hauptziel von Angriffen der Taliban. Die vor der Vereinbarung von Doha begonnene Phase reduzierter Gewalt in Afghanistan sei zu Ende, hieß es in einer Erklärung der Taliban, die vom afghanischen Fernsehen veröffentlicht wurde.

Demnach habe die Taliban-Führung die Wiederaufnahme der Angriffe auf die afghanischen Sicherheitskräfte angeordnet. Internationale Streitkräfte seien davon ausgenommen. Schon in den vergangenen Tagen gab es erste Gefechte, unter anderem in der nördlichen Provinz Balkh, wo die Bundeswehr stationiert ist.

Über deren Verbleib in Afghanistan soll heute der Deutsche Bundestag beraten. Die Verlängerung des Mandats um ein weiteres Jahr steht auf der Tagesordnung des Parlaments. Bislang galt immer das Prinzip, gemeinsam rein, gemeinsam raus.

NATO prüft Reduzierung

Die NATO prüfe bereits eine Reduzierung ihres Einsatzes in Afghanistan, verkündete der Generalsekretär des westlichen Verteidigungsbündnisses, Jens Stoltenberg, Anfang der Woche in Kabul. Auch die NATO werde ihre Präsenz in Afghanistan der neuen Situation anpassen. "Alle NATO-Partner haben die Vereinbarung von Doha begrüßt. Und wir sind bereit, Afghanistan weiter zu unterstützen. Aber wir werden unsere Präsenz reduzieren, wenn die Bedingungen dafür erfüllt sind", so Stoltenberg.

Die USA wollen mit dem angekündigten Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan schon in den nächsten Tagen beginnen, bekräftigte US-Verteidigungsminister Mark Esper. Rund 5000 Soldaten würden innerhalb von 135 Tagen das Land verlassen. Danach, so Esper, werde man sehen, wie schnell die restlichen US-Truppen nach Hause zurückkehren könnten.

Möglich sei ein vollständiger Abzug innerhalb von 14 Monaten. "Wir werden unsere Truppen in Afghanistan zunächst auf 8600 Mann reduzieren. Dann werden wir die Lage bewerten, nicht nur die militärische Lage am Boden, sondern auch, ob sich alle Seiten an die Vereinbarung von Doha halten. Zunächst mal planen wir bis zu diesem Punkt und dann sehen wir weiter", sagt Esper.

Zweifel an den afghanischen Truppen

Dass die afghanischen Streitkräfte alleine in der Lage sein werden, für Sicherheit zu sorgen und den Taliban etwas entgegenzusetzen, wenn die irgendwann doch wieder mit Gewalt ihre Ziele durchsetzen wollten, wird von vielen Afghanen bezweifelt.

Mohhamad Tariq Hotak und Abdul Samih, zwei Einwohner Kabuls, sind skeptisch: "Als afghanischer Staatsbürger hoffe ich natürlich, dass die ausländischen Truppen irgendwann unser Land verlassen. Aber doch nur, wenn wir Frieden und Stabilität haben", so Hotak.

"Wenn sich die afghanische Führung und die Taliban auf Frieden verständigen können, dann sehe ich kein Problem mit einem Abzug der US-Truppen. Aber wenn die sich nicht einigen können, dann sehe ich schwarz für unsere Zukunft nach dem US-Truppenabzug", sagt Samih.

Wackelige Vereinbarung

Ob die Vereinbarung von Doha überhaupt Bestand hat, ist zurzeit noch unklar. Die Taliban erwarten vor Beginn des vereinbarten innerafghanischen Dialogs die Freilassung von 5000 Gefangenen. Präsident Ashraf Ghani will jedoch keine Vorbedingungen für die Gespräche über die Zukunft Afghanistans akzeptieren.

Afghanistan - Phase reduzierter Gewalt zu Ende
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
04.03.2020 07:06 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. März 2020 um 14:00 Uhr.

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