Eine Frau steht vor einem Wagen des Roten Kreuzes | Bildquelle: AFP

Taliban in Afghanistan Keine Sicherheitsgarantie für Rotes Kreuz

Stand: 15.08.2018 13:30 Uhr

Die Arbeit des Roten Kreuzes in Afghanistan wird womöglich in Zukunft schwierig. Die Taliban wollen ein Sicherheitsabkommen aufkündigen. Bei Kämpfen im Norden starben derweil mehrere Soldaten und Polizisten.

Die Taliban in Afghanistan wollen die Sicherheit von Rot-Kreuz-Helfern nicht länger garantieren.

In einem neuen Tiefpunkt des 17-jährigen Konfliktes am Hindukusch warfen die radikal-islamischen Kämpfer der Hilfsorganisation demnach vor, "sich nicht um inhaftierte Taliban-Kämpfer zu kümmern". Die Organisation verfolge stattdessen ihre eigenen Ziele.

Rotes Kreuz hatte Provinzkrankenhaus beliefert

Die Ankündigung, das Sicherheitsübereinkommen zwischen den Taliban und dem Roten Kreuz aufzukündigen, kommt nach dem Ende einer fünftägigen Belagerung der Stadt Ghasni, etwa 150 Kilometer von der Hauptstadt Kabul entfernt. Das Rote Kreuz hatte dort während der heftigen Kämpfe das Provinzkrankenhaus mit neuen Medikamenten und Treibstoff für den Stromgenerator beliefert.

Rauch über der afghanischen Stadt Ghasni | Bildquelle: AFP
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Die Stadt Ghasni war fünf Tage belagert worden.

Fast eine Woche nach Beginn der Gefechte wurden die radikalislamischen Taliban heute offenbar vorerst aus der Stadt vertrieben. Bewohner wagten sich wieder auf die Straßen, während Sicherheitskräfte patrouillierten, wie ein AFP-Reporter berichtete. Zwar waren im Stadtzentrum keine Taliban mehr in Sicht, in mindestens einem Dorf am Stadtrand hielten sich jedoch noch Mitglieder der Extremistengruppe auf.

Mit über 1000 Mitarbeitern vor Ort

Wegen der drastisch verschlechterten Sicherheitslage und einer Serie von Angriffen auf ihr Personal hatte die Genfer Organisation Ende des vergangenen Jahres erklärt, ihre Operationen in Afghanistan stark einzuschränken.

Das Internationale Rote Kreuz ist mit über 1000 Mitarbeitern seit über drei Jahrzehnten in dem Land und war auch während des Taliban-Regimes dort präsent. Bei den Kämpfen um die von den Taliban gestürmte Stadt Ghasni waren mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen.

Angriff in der Provinz Baghlan

Bei einem Angriff in der nordafghanischen Provinz Baghlan starben am späten Dienstagabend mindestens 30 Soldaten und Polizisten. Wie der Vorsitzende des Provinzrates, Mohammed Safdar Mohseni, sagte, richtete sich die Attacke gegen zwei nebeneinanderliegende Kontrollposten der Sicherheitskräfte.

Die Sicherheitslage in Afghanistan bleibt weiter schwierig. Trotzdem waren in der vergangenen Nacht 46 abgelehnte Asylbewerber per Sammelflug von München nach Afghanistan abgeschoben worden.

Dieser Beitrag lief am 15. August 2018 um 14:00 Uhr auf WDR Aktuell.

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