Berberaffen sitzen auf einem Felsen in Gibraltar | Bildquelle: picture alliance / Bildagentur-o

Corona-Krise in Gibraltar Finger weg von den Affen

Stand: 02.06.2020 11:52 Uhr

In Gibraltar gibt es relativ wenige Coronavirus-Infizierte, niemand ist daran gestorben. Doch die Regierung macht sich Sorgen, dass sich die berühmtesten Einwohner infizieren könnten: die freilebenden Affen.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Sie sind für viele das eigentliche Highlight eines Besuchs in Gibraltar: Die etwa 300 Berberaffen, die rund um den großen Felsen in der Mitte der britischen Kolonie herumlaufen. Es ist die letzte in Freiheit lebende Affenpopulation in Europa. Normalerweise machen Urlauber Fotos mit den Tieren und streicheln sie.

Bei Kontakt: Strafe

Doch genau das ist ab sofort verboten. Wer erwischt wird, muss 4.400 Euro Strafe zahlen. Denn Forscher haben mittlerweile herausgefunden, dass das Coronavirus auch auf Affen übertragen werden kann. Aber dass ein Mensch einen von ihnen schon angesteckt hat, hält die Regierung von Gibraltar für unmöglich.

In einer Pressemitteilung heißt es: "Weil es nur wenige Virusfälle in Gibraltar gibt und der Lockdown im Tourismussektor schnell ungesetzt wurde, ist es ausgeschlossen, dass die Affen mit Covid-19 infiziert sind. Das soll auch so bleiben. Deshalb mussten wir handeln."

Felsen soll aufgeschlossen werden

Gerade einmal 170 der knapp 34.000 Einwohner von Gibraltar sind offiziell als Covid-19-Partienten erfasst, Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus gab es bisher nicht. Seit Anfang Mai fährt die Regierung daher die Corona-Beschränkungen Stück für Stück zurück, nun dürfen Restaurants wieder Gäste empfangen, öffentliche Busse fahren und Gottesdienste sind erlaubt.

Die dritte von sechs Phasen des Plans "Unlock the rock" ist angelaufen - der Felsen von Gibraltar solle wieder aufgeschlossen werden, so Regierungschef Fabian Picardo.

"Wir können feiern, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen. Nicht mit einer Party, sondern eher mit einem Gelöbnis. Dass wir weiter soziale Kontakte reduzieren und uns nach dem gesunden Menschenverstand verhalten. Aber genau das tun die allermeisten Bewohner von Gibraltar schon."

Berberaffen auf Gibraltar | Bildquelle: imago images/ZUMA Press
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Die Kontaktsperre zwischen Menschen und Affen soll bis zum 1. August dauern.

Massentest soll starten

Um einen Überblick zu bekommen, wie sich das Virus tatsächlich in Gibraltar ausgebreitet hat, startet die Regierung einen Massentest. Jeder Einwohner soll sich auf Coronavirus-Antikörper untersuchen lassen können - wie auch schon die Bevölkerung von Andorra, das ebenfalls an Spanien grenzt. Ein Corona-Antikörpertest kann nachweisen, ob ein Mensch mit dem Virus infiziert war.

"Wir bieten die Untersuchung jedem an, 50.000 Tests haben wir gekauft. Aber wir müssen den Massentest zur richtigen Zeit starten. Da warten wir noch auf das ‚Go‘ unserer Gesundheitsexperten."

Kontaktsperre bis 1. August

Dass die britische Kolonie bisher so gut durch die Coronavirus-Krise gekommen ist, nannte ein Sprecher der Gesundheitsbehörde einmal das "Glück Gibraltars". Denn im benachbarten Spanien verbreitete sich das Virus rasend schnell, im Mutterland Großbritannien ebenfalls. Dass Infizierte von dort den Erreger in Gibraltar verteilen, wäre also nicht unwahrscheinlich gewesen. British Airways verbindet die Kolonie weiterhin fast täglich mit London.

Die Kontaktsperre zwischen Menschen und Affen dürfte bis zum 1. August dauern. Dann soll der Plan "Unlock the rock" auslaufen, dann soll Gibraltar wieder komplett geöffnet sein. So lange müssen die Berberaffen auf Futter von Touristen und Selfies mit ihnen verzichten.

Corona in Gibraltar: "Finger weg von den Affen!"
Oliver Neuroth, ARD Madrid
02.06.2020 11:01 Uhr

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