Äthiopische Flüchtlinge im Osten Sudans | Bildquelle: AP

Kämpfe in Äthiopien UN warnen vor Flüchtlingskrise

Stand: 17.11.2020 13:34 Uhr

Die Militäroffensive in der äthiopischen Region Tigray hat für die Bevölkerung verheerende Konsequenzen: Die Vereinten Nationen berichten von Zehntausenden Flüchtlingen. Doch Ministerpräsident Abiy will weiter kämpfen.

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) hat angesichts der Kämpfe in der nordäthiopischen Region Tigray vor einer Flüchtlingskrise gewarnt. Mehr als 27.000 Menschen seien bereits ins Nachbarland Sudan geflohen, sagte der Sprecher des Hohen Flüchtlingskommissars der UN, Babor Baloch. Einen derartigen Zustrom an Flüchtlingen habe es im Osten des Sudans seit zwei Jahrzehnten nicht gegeben. Zudem seien Vertreibungen innerhalb Tigrays zu befürchten.

Ungeachtet dessen kündigte Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed im Konflikt mit der Führung von Tigray einen finalen Militärschlag an. Eine dreitägige Frist, die man den Kräften in der abtrünnigen Region für eine Kapitulation gegeben habe, sei abgelaufen, schrieb der Ministerpräsident auf Facebook: "Die endgültige und wichtige Strafverfolgungs-Operation wird in den kommenden Tagen erfolgen."

Kenias Präsident fordert "friedliche Mittel"

Äthiopiens Regierung hatte Anfang November nach einem langen Konflikt mit der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) eine Militäroffensive gegen die Rebellengruppe und regionale Regierungspartei begonnen. Über die derzeitige Lage in Tigray ist wenig bekannt, weil Internet, Telefonverbindungen und Strom gekappt und Straßen blockiert sind. Am Wochenende eskalierte die Situation, als die TPLF das Nachbarland Eritrea mit Raketen beschoss.

International häufen sich Forderungen an die Konfliktparteien, Verhandlungen aufzunehmen. So rief Kenias Präsident Uhuru Kenyatta die Regierung Äthiopiens und die TPLF auf, "friedliche Mittel" zu finden, um die Krise zu beenden.

Ethnische Spannungen haben zugenommen

Die TPLF war die dominante Partei in der Parteienkoalition, die Äthiopien mehr als 25 Jahre lang mit harter Hand regierte. Doch als Abiy Ahmed 2018 an die Macht kam, brachte er Reformen auf den Weg, entfernte Funktionäre der alten Garde und gründete eine neue Partei, der die TPLF nicht beitrat.

Die TPLF und viele Menschen in Tigray fühlen sich von der Zentralregierung nicht vertreten und wünschen sich größere Autonomie. Unter Abiy, der 2019 den Friedensnobelpreis erhielt, haben die ethnischen Spannungen in dem Vielvölkerstaat Äthiopien mit seinen rund 112 Millionen Einwohnern zugenommen.

In Äthiopien droht weitere Eskalation
Bettina Rühl, ARD Nairobi
17.11.2020 15:32 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. November 2020 um 13:00 Uhr.

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