Ein beschädigter Panzer steht auf einer Straße bei Humera, Äthiopien. | Bildquelle: AFP

Äthopiens Regierung warnt Zivilisten "Bringt euch in Sicherheit"

Stand: 23.11.2020 12:16 Uhr

Äthiopiens Ministerpräsident Abiy hat die Anführer der abtrünnigen Region Tigray aufgefordert, sich innerhalb von 72 Stunden zu ergeben. Anderenfalls werde das Militär vorrücken. Zivilisten sollten sich in Sicherheit bringen.

Von Antje Diekhans, ARD-Studio Nairobi

"Bringt euch in Sicherheit" - das ist die Botschaft, die Äthiopiens Regierung an die Menschen in Tigray sendet. Seit Anfang des Monats kämpft die Armee im Norden des Landes gegen Truppen der so genannten Volksbefreiungsfront TPLF. Jetzt soll der Einsatz offenbar verstärkt werden. Die Regierungstruppen wollen Mekele, die Hauptstadt der Region, einnehmen. "Die kommenden Tage sind entscheidend für die gesamte Operation", sagt Armeesprecher Dejene Tsegaye. "Wir kreisen Mekele mit unseren Panzern ein und rücken auch am Boden vor."

Ultimatum für TPLF

Ministerpräsident Abiy Ahmed veröffentlichte gestern auf Twitter eine Botschaft, in der er den Truppen der TPLF ein Ultimatum stellt. Sie hätten noch 72 Stunden, um die Waffen niederzulegen. Anderenfalls werde das Militär mit der Offensive beginnen. Er warf der TPLF vor, die Bevölkerung als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen.

In Mekele leben etwa eine halbe Million Menschen. Armeesprecher Dejene Tsegaye warnte sie vor schwerem Beschuss in den nächsten Tagen: "Sucht vor den Artillerieattacken Schutz. Und sagt euch von der TPLF los. Sonst gibt es keine Gnade."

Tausende Menschen mussten fliehen

In den vergangenen Wochen sind schon Tausende Menschen in den benachbarten Sudan geflohen. Die Vereinten Nationen bauen behelfsmäßige Lager für sie auf. Viele der Ankommenden berichten, dass sie seit Tagen nichts mehr zu essen bekommen haben - so auch Abendon Teklemariam: "Wir sind hungrig. Wir haben kein Wasser und keine Nahrungsmittel." Ein anderer Geflüchteter fragt: "Warum kümmert sich die Welt nicht um uns? Wir brauchen dringend etwas zu essen."

Das Flüchtlingshilfswerk rechnet damit, dass für die unmittelbare Nothilfe etwa 50 Millionen Dollar benötigt werden. Die Vereinten Nationen fordern außerdem, dass Hilfskorridore eingerichtet werden, um auch die Menschen in der Tigray-Region zu erreichen.

Kein Bürgerkrieg?

Über Jahrzehnte hatte die TPLF die Politik in ganz Äthiopien bestimmt. Als Abiy Ahmed an die Regierung kam, entmachtete er die sogenannte Volksbefreiungsfront mehr und mehr. Die politischen Spannungen zwischen der Zentralregierung und der TPLF nahmen über Monate zu, bis der Ministerpräsident den militärischen Einsatz befahl. Ein Regierungsvertreter verteidigte diesen Schritt jetzt im Sender BBC: "Wir haben jetzt keinen Bürgerkrieg in Äthiopien. Wir setzen in Tigray nur das Recht durch. So wollen wir einen Krieg verhindern, der ganz Äthiopien und die Region destabilisieren könnte."

Abiy Ahmed schickte in den vergangenen Tagen seinen Außenminister in die Nachbarländer, um Verständnis für den Kurs einzuwerben. Dem Friedensnobelpreisträger von 2019 wird vorgeworfen, dass er Vermittlungsversuche der Afrikanischen Union (AU) bisher ablehnt. Die AU hat drei Sondergesandte ernannt, die Gespräche zwischen den Konfliktparteien anstoßen sollen.

"Bringt euch in Sicherheit" - Äthiopiens Regierung warnt Zivilisten
Antje Diekhans, ARD Nairobi
23.11.2020 11:41 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. November 2020 um 13:26 Uhr.

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