Abiy Ahmed | Bildquelle: Office of the Prime Minister

Tigray-Region Konflikt in Äthiopien spitzt sich zu

Stand: 09.11.2020 14:51 Uhr

Die Militäroffensive der äthiopischen Armee im eigenen Bundesstaat Tigray geht offenbar weiter. Ministerpräsident Abiy warb in einer Ansprache um internationales Verständnis für das Eingreifen.

Von Antje Diekhans, ARD-Studio Nairobi

Abiy Ahmed, Friedensnobelpreisträger von 2019, will nicht als Kriegstreiber dastehen. In einer Ansprache, die sich vor allem an die internationale Gemeinschaft richtet, wirbt Äthiopiens Ministerpräsident um Verständnis für das Eingreifen in der Tigray-Region.

Die dortige sogenannte Volksbefreiungsfront TPLF habe es seit Langem darauf angelegt, Konflikte in Äthiopien zu befeuern. "Sie haben jede Kraft unterstützt, trainiert und ausgebildet, die bereit ist, sich an gewaltsamen und illegalen Aktionen zu beteiligen", sagte Abiy. "Ihr Ziel ist ganz klar das Land unregierbar zu machen, indem sie Auseinandersetzungen zwischen den Volksgruppen und Religionen anzetteln. Sie wollen so lange Uneinigkeit und Zwietracht säen, bis die demokratischen Prozesse gestoppt sind."

Seit vergangener Woche geht die äthiopische Armee gegen die TPLF vor. Die Luftwaffe flog mehrere Angriffe und auch am Boden gibt es Kämpfe. Angaben zu Opfern sind schwer zu bekommen. In die Gebiete im Norden Äthiopiens gibt es keine Telefon- oder Internetverbindungen mehr.

Aufruf zum Blutspenden

In den Krankenhäusern der benachbarten Amhara-Region werden aber offenbar viele Verletzte behandelt. Die Menschen wurden zu Blutspenden aufgerufen. "Wir geben unser Blut, um die Kämpfer aus Amhara zu unterstützen", sagte ein Spender. "Wir helfen ihnen auch mit Geld und anderen Materialien."

"Diese regionale Regierung hat so viele Äthiopier in den vergangenen 27 Jahren zu Opfern gemacht", urteilte ein anderer über die Führung in Tigray. "Sie denken, dass sie über der Zentralregierung stehen."

Die Tigray stellen in Äthiopien nur rund fünf Prozent der Bevölkerung. Über fast drei Jahrzehnte saßen sie aber an den Schalthebeln der Macht. Die Regierung und wichtige Posten im Militär waren mit Vertretern der Tigray besetzt.

Schwerster Konflikt seit Amtsantritt

Als Abiy Ahmed 2018 ins Amt kam, begann er diese alten Seilschaften aufzulösen. Inzwischen gehört die TPLF nicht mehr zur Regierungskoalition. Im September hielt sie Wahlen in Tigray ab, obwohl die Abstimmung landesweit wegen der Corona-Pandemie verschoben werden sollte. Abiy Ahmed ist für die TPLF seitdem ein Ministerpräsident, der unrechtmäßig im Amt ist. Sie will sich ihre regionale Unabhängigkeit auch mit Gewalt sichern.

"Ich würde mit meinem Leben für Tigray bezahlen", sagte einer der Kämpfer der sogenannten Volksbefreiungsfront der Nachrichtenagentur AP. "Ich werde ein Held für Tigray sein. Das ist das Ziel, das mich antreibt."

Für Abiy Ahmed ist der Konflikt die schwerste Bewährungsprobe, seit er im Amt ist. Sein Rückhalt scheint zu bröckeln. Am Wochenende entließ Abiy seinen Außenminister und ersetzte ihn durch den bisherigen stellvertretenden Ministerpräsidenten. Auch der Armeechef und der Chef der Geheimdienste wurden ausgetauscht. Offizielle Gründe für diese Wechsel wurden nicht genannt. Aber Abiy Ahmed versucht offenbar alles, um seine Reihen in dieser schwierigen Situation zusammenzuhalten.

Konflikt in Äthiopien spitzt sich zu
Antje Diekhans, ARD Nairobi
09.11.2020 14:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. November 2020 um 13:17 Uhr.

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