Mitglieder der äthiopischen Diaspora im US-Bundesstaat Minnesota hatten nach Hachalus Ermordung protestiert. | Bildquelle: AFP

Äthiopien Verdächtige gestehen Mord an Sänger

Stand: 11.07.2020 17:10 Uhr

Nach der Ermordung des Sängers Hachalu waren in Äthiopien mehr als 200 Menschen bei Unruhen ums Leben gekommen. Nun gestanden zwei Männer, ihn ermordet zu haben. Ein weiterer Verdächtiger ist auf der Flucht.

Zwei festgenommene Verdächtige haben die Ermordung des äthiopischen Sängers Hachalu Hundessa gestanden, die im ganzen Land Proteste mit mehr als 200 Toten ausgelöst hatte.

Generalstaatsanwältin Abebech Abbebe erklärte, die Tat sei Teil einer Verschwörung zum Sturz der Regierung gewesen. Einer der Männer habe angegeben, dass eine Rebellengruppe hinter dem Mordkomplott stecke, die der Oppositionspartei Oromo-Befreiungsfront (OLF) nahestehen soll. Ein weiterer Verdächtiger ist auf der Flucht.

Das lokale Nachrichtenportal Borkena wiederum berichtete, die beiden Männer seien Mitglieder der Oppositionsbewegung TPLF. Die äthiopische Regierung warf der TPLF vor, mit dem Tod des Musikers bewusst Konflikte anstacheln zu wollen.

Mindestens 239 Tote bei Unruhen

Hachalu war Anfang des Monats in der Hauptstadt Addis Abeba erschossen und später in seiner Heimatstadt Ambo beerdigt worden. Nach seinem Tod brachen Unruhen los, bei denen mindestens 239 Menschen ums Leben kamen.

Die Behörden machten wiederholt Oppositionelle für die Unruhen verantwortlich. Sie nahmen mehrere bekannte Oppositionsvertreter im Zusammenhang mit den Protesten fest und kappten zeitweise die Internetverbindung im Land.

Ethnische Spannungen in Äthiopien

Äthiopien mit seinen 100 Millionen Einwohnern ist ein multiethnischer Sstaat, in dem es immer wieder Spannungen zwischen den Volksgruppen gibt. 

Der ermordete Sänger und Aktivist Hachalu gehörte den Oromo an. In seiner Musik hatte er oft das Gefühl der Oromo ausgedrückt, wirtschaftlich und politisch benachteiligt zu werden, obwohl sie die zahlenmäßig größte Bevölkerungsgruppe stellen. Auch Ministerpräsident Abiy Ahmed gehört den Oromo an. 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Juli 2020 um 13:00 Uhr in den Nachrichten.

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