Äthiopiens Ministerpräsident Ahmed empfängt Delegation aus Eritrea. | Bildquelle: REUTERS

Verhandlung über Grenzabkommen Äthiopien und Eritrea sprechen über Versöhnung

Stand: 27.06.2018 09:30 Uhr

Unter Äthiopiens neuem Ministerpräsidenten Ahmed befreit sich das Land vom Erbe einer langen Diktatur. Auch mit dem Nachbarn Eritrea strebt Ahmed eine Aussöhnung an. Ein blutiger Grenzstreit soll beigelegt werden.

Äthiopien und Eritrea haben mit Verhandlungen über ein Ende des seit fast zwei Jahrzehnten anhaltenden Grenzstreits begonnen. Der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed begrüßte am späten Dienstag eine hochrangige Delegation aus dem Nachbarland am Flughafen von Addis Abeba. Er hoffe, der Besuch werde das Fundament für eine bessere Zukunft beider Länder legen, sagte Ahmed einem Tweet seines Stabschefs Fitsum Arega zufolge.

Eritrea hatte sich 1993 nach einem langen Bürgerkrieg von Äthiopien gelöst. Seit einem Grenzkrieg haben beide Staaten keine diplomatischen Beziehungen mehr. In dem zweijährigen Konflikt waren Ende der 1990er-Jahre 80.000 Menschen gestorben. 2002 wurde ein Grenzabkommen geschlossen, wonach Äthiopien die Stadt Badme und weitere Landstriche im Norden an Eritrea abgeben muss. Das Papier wurde jedoch nie umgesetzt.

Ahmed, der eine Politik der Öffnung des lange diktatorisch regierten Landes betreibt, hatte vor drei Wochen überraschend angekündigt, das Grenzabkommen zu akzeptieren. Vor wenigen Tagen war der eritreische Staatschef Isaias Afewerki seinerseits auf Ahmed zugekommen und hatte die Entsendung einer Verhandlungskommission angekündigt.

Äthiopiens Ministerpräsident Ahmed empfängt Eritreas Außenminister Sale | Bildquelle: AP
galerie

Blumen für die Delegation des einstigen Erzfeindes: Äthiopiens Ministerpräsident Ahmed empfängt Eritreas Außenminister Sale

Der Wandel trifft auf Widerstand

Ahmeds Versöhnungskurs gegenüber Eritrea ist in Äthiopien allerdings umstritten. Am Samstag gab es einen tödlichen Anschlag auf eine Regierungskundgebung, den Ahmed aber unverletzt überstand. Die Täter sind unbekannt.

Bislang lässt sich Ahmed davon aber nicht beeindrucken. Beim Empfang der ersten eritreischen Regierungsdelegation in Addis Abeba seit zwei Jahrzehnten sagte er: "Wir haben Krieg versucht und herausgefunden, dass er nutzlos ist." 

Nun sei die "Zeit für Versöhnung und Liebe" gekommen. "Wir wollen, dass unsere Brüder und Schwestern herkommen und uns so bald wie möglich besuchen." Das Neujahrsfest, das in beiden Ländern am 11. September begangen wird, solle gemeinsam gefeiert werden. Abiy kündigte an, dass die äthiopische Fluggesellschaft bald Flüge zur eritreischen Hafenstadt Massawa aufnehmen werde.

Über dieses Thema berichtete Inforadio RBB am 15. Juni 2018 um 08:04 Uhr.

Darstellung: