Mitglieder einer Spezialeinheit kehren nach Gefechten mit der Volksbefreiungsfront TPLF in ein Militärlager zurück. | REUTERS

Angriff auf Mekele Äthiopien erobert Tigrays Hauptstadt

Stand: 28.11.2020 19:28 Uhr

Die äthiopische Armee ist nach Regierungsangaben in die Hauptstadt der abtrünnigen Region Tigray einmarschiert. Dabei sollen auch schwere Waffen zum Einsatz gekommen sein. Ob Zivilisten getötet wurden, ist unklar.

Das äthiopische Militär hat nach eigenen Angaben die Hauptstadt der abtrünnigen Region Tigray erobert. Äthiopische Truppen hätten die Kontrolle über Mekele, sagte Generalstabschef Birhanu Jula im äthiopischen Fernsehen. Ministerpräsident Abiy Ahmed erklärte: "Wir sind einmarschiert, ohne dass unschuldige Zivilisten zur Zielscheibe wurden."

Nur wenige Stunden zuvor hatte die Offensive auf die Stadt mit ihren rund 500.000 Einwohnern begonnen. Der örtliche Fernsehsender Tigray TV berichtete, dass Mekele dabei heftig bombardiert worden sei. Nach Angaben der Regionalregierung wurde das Stadtzentrum mit "schweren Waffen und Artillerie" angegriffen. Zu den Zielen zählten demnach auch Zivilisten und Infrastruktur.

Die Angaben sind nur schwer zu überprüfen, weil Internet- und Telefonverbindungen nach Tigray weitgehend gekappt sind und die Region von der Außenwelt abgeriegelt ist.

Zivilisten sollen verschont werden

Ministerpräsident Abiy will die in Tigray regierende Volksbefreiungsfront TPLF entmachten und deren Anführer verhaften lassen. Der Konflikt hält bereits seit Monaten an. Die TPLF dominierte drei Jahrzehnte lang die äthiopische Politik, bevor der aktuelle äthiopische Regierungschef Abiy 2018 an die Macht kam. Die TPLF erkennt Abiy nicht an.

Internationale Forderungen zum Dialog lehnte der Regierungschef, der für seine Reformen erst 2019 den Friedensnobelpreis bekommen hatte, ab. Am Donnerstag erteilte er seinen Truppen den Marschbefehl auf Mekele. Den Bewohnern der Stadt, die der TPLF die Treue halten, drohte seine Regierung mit einer gnadenlosen Bestrafung. Gleichzeitig versprach sie darauf zu achten, dass möglichst wenige Zivilisten zu Schaden kommen. Viele Bewohner Mekeles flohen aus der Stadt.

Besorgnis bei der UN

Papst Franziskus rief auf Twitter zum Gebet für Äthiopien auf. Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Kelly Craft, schrieb, Washington sei in großer Sorge über die Lage in Tigray. Das Büro von UN-Generalsekretär António Guterres erklärte, er sei sehr besorgt über die Folgen des Konflikts für die Zivilbevölkerung.

Beobachter befürchten, dass sich die Gefechte ausweiten und die ganze Region destabilisieren könnten. Berichten zufolge sind bei den Kämpfen in Äthiopien bisher bereits Hunderte Menschen getötet worden. Mehr als 40.000 sind demnach bislang aus dem Konfliktgebiet geflohen. Die UN rief zu Hilfen für die Tigray-Flüchtlinge auf. Man benötige dringend Spenden um die Zehntausenden Flüchtlinge zu versorgen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. November 2020 um 15:00 Uhr.