Äthiopische Militärs, die sich auf einer Straße in einem Gebiet nahe der Grenze zwischen den Regionen Tigray und Amhara in Äthiopien versammelt haben | Bildquelle: AP

Abtrünnige Region Tigray Äthiopien beginnt Militäroffensive

Stand: 28.11.2020 16:16 Uhr

Äthiopiens Regierungschef Abiy hatte die Offensive bereits angekündigt. Nun hat das Militär den Angriff auf die Stadt Mekele in der Region Tigray gestartet. Entwicklungshelfer berichten von "schweren Geschossen".

Die äthiopische Armee hat mit der Militäroffensive auf die Regionalhauptstadt Mekele der abtrünnigen Region Tigray begonnen. Der Fernsehsender der Region meldete am Samstagmittag den Beschuss von Mekele.

Nach Angaben von Entwicklungshelfern wurde die Stadt von "schweren Geschossen" getroffen. Die Regionalregierung teilte im Lokalfernsehen mit, dass das Stadtzentrum mit "schweren Waffen und Artillerie" angegriffen werde. Zu den Zielen zählten demnach auch Zivilisten und Infrastruktur.

Die Region Tigray rufe "alle, die ein reines Gewissen haben, einschließlich der internationalen Gemeinschaft, dazu auf, die Angriffe und Massaker mit Artillerie und Kampfflugzeugen zu verurteilen", hieß es in der Erklärung der Regionalregierung.

Menschenrechtler warnen vor Kriegsverbrechen

Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed hatte die Offensive bereits am Donnerstag im Kurzbotschaftendienst Twitter angekündigt. Er hatte erklärt, "die dritte und letzte Phase" im Vorgehen gegen die in Tigray regierende Volksbefreiungsfront TPLF einzuleiten. Abiy will die TPLF entmachten und deren Anführer verhaften lassen.

Bei dem Angriff werde "alles getan", um die Zivilbevölkerung zu schützen und Mekele mit seinen 500.000 Einwohnern vor "größerem Schaden" zu bewahren, fügte Abiy hinzu.

Menschenrechtsorganisationen hatten davor gewarnt, dass die Bombardierung von Mekele ein Kriegsverbrechen darstellen könnte. Die Organisation Human Rights Watch machte deutlich, dass die Warnungen des äthiopischen Militärs an die Zivilbevölkerung allein nicht ausreichen würden. Dies treffe insbesondere dann zu, wenn Luftstreitkräfte und schwere Waffen in städtischen Gebieten eingesetzt werden.  

Bereits Hunderte Todesopfer

Der Konflikt in Tigray hält bereits seit Monaten an. Die dort regierende TPLF dominierte drei Jahrzehnte lang die äthiopische Politik, bevor der aktuelle äthiopische Regierungschef Abiy 2018 an die Macht kam. Die TPLF erkennt Abiy nicht an.

Anfang des Monats sandte Abiy Streitkräfte nach Tigray, wodurch der Konflikt mit der TPLF schließlich vollends entbrannte. Appelle internationaler Politiker, die Kämpfe einzustellen und einen Vermittler in dem Konflikt zuzulassen, hatte Abiy stets zurückgewiesen.

Beobachter befürchten, dass sich die Gefechte ausweiten und die ganze Region destabilisieren könnten. Berichten zufolge sind bei den Kämpfen in Äthiopien bisher bereits Hunderte Menschen getötet worden. Mehr als 40.000 sind demnach bislang aus dem Konfliktgebiet geflohen. Die UN rief zu Hilfen für die Tigray-Flüchtlinge auf.  Man benötige dringend Spenden um die Zehntausenden Flüchtlinge zu versorgen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 28. November 2020 um 10:44 Uhr.

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