Unruhen in Äthiopien | Bildquelle: AFP

Äthiopien Mehr als 60 Tote bei Unruhen

Stand: 25.10.2019 22:01 Uhr

In Äthiopien ist es in den vergangenen Tagen zu blutigen Unruhen gekommen. Auslöser sind offenbar Aussagen eines Internet-Aktivisten. Premier Abiy Ahmed warf ihm vor, ethnische Spannungen zu schüren.

Bei Protesten gegen den Regierungschef Abiy Ahmed und gewaltsamen Zusammenstößen zwischen verschiedenen Volksgruppen sind in Äthiopien offenbar mehr als 60 Menschen getötet worden. Die Nachrichtenagentur AFP berichtet unter Berufung auf die Polizei von mindestens 67 Toten. Etwa 55 Menschen seien bei Kämpfen zwischen Angehörigen verschiedener Ethnien in der Region Oromia in den vergangenen Tagen ums Leben gekommen, sagte der regionale Polizeichef Kefyalew Tefera demnach. Die übrigen Opfer seien von der Polizei getötet worden.

Auslöser für die Unruhen waren Aussagen des Medien-Aktivisten Jawar Mohamed: Er hatte die Polizei beschuldigt, die Entfernung seiner Bodyguards zu verlangen. Daraufhin gingen seine Anhänger auf die Straße. Sie verbrannten Autoreifen und errichteten Straßenblockaden. Aus den Protesten entwickelten sich in der Folge ethnische Unruhen.

Der Oromo Jawar Mohamed gilt als extrem einflussreich, auf Facebook hat er mehr als 1,7 Millionen Abonnenten. Kritiker beschuldigten ihn in der Vergangenheit immer wieder, ethnischen Hass zu schüren und darauf abzuzielen, das Land zu destabilisieren. Am Dienstag hatte auch Ministerpräsident Abiy Ahmed - der diesjährige Friedensnobelpreisträger - dem Journalisten vorgeworfen, mit seinem Oromia Media Network ethnische Spannungen anzufachen. Abiy Ahmed ist ebenfalls Oromo.

Kandidatur geplant?

Jawar Mohamed ist in den USA aufgewachsen und hat die doppelte Staatsbürgerschaft. Er hatte vom Ausland aus über ethnische Unruhen zwischen 2016 und 2018 in Äthiopien berichtet. Nach dem Amtsantritt des Reformers Abiy Ahmed 2018 kehrte er nach Äthiopien zurück. In Äthiopien wird spekuliert, Jawar Mohamed könnte auf seine US-Staatsbürgerschaft verzichten und bei der im kommenden Jahr geplanten Wahl kandidieren.

Die Oromo sind die größte Volksgruppe im Vielvölkerstaat Äthiopien. Sie stellen etwa ein Drittel der 102 Millionen Einwohner. Den diesjährigen Friedensnobelpreis erhält Ministerpräsident Abiy Ahmed für die politische Öffnung des Landes und den Friedensvertrag mit Eritrea. Er hatte politische Gefangene freigelassen und verbotene Medien erlaubt.

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