Polizisten in Ägypten | Bildquelle: REUTERS

Nach Anschlägen in Ägypten Drei Monate Ausnahmezustand

Stand: 10.04.2017 16:00 Uhr

Nach den Anschlägen auf Kopten in Ägypten hat Präsident al-Sisi einen dreimonatigen Ausnahmezustand verhängt. So solle die Sicherheit im Land gewährt werden. Israel schloss vorsichtshalber die Grenze zum Sinai.

Einen Tag nach zwei Selbstmordanschlägen auf koptische Kirchen in Ägypten hat Präsident Abdel Fattah al-Sisi einen Ausnahmezustand über das Land verhängt. Er trat nach Angaben des Kabinetts um 13.00 Uhr in Kraft und soll für drei Monate gelten. Gemäß der ägyptischen Verfassung muss das Parlament eine solche Entscheidung absegnen - angesichts der Unterstützung für Al-Sisi unter den Abgeordneten gilt das aber als Formalie.

Al-Sissi hatte unmittelbar nach den Attentaten am Sonntag den Ausnahmezustand angekündigt. Zugleich ordnete er den landesweiten Einsatz des Militärs an, um die Polizei beim Schutz wichtiger Einrichtungen zu unterstützen. "Die Streitkräfte und die Polizei werden alles Notwendige unternehmen, um den Bedrohungen entgegenzutreten, die vom Terrorismus und dessen Finanzierung ausgehen", erklärte die Regierung. Es gehe darum, die Sicherheit im Land zu gewährleisten, öffentliches und privates Eigentum sowie das Leben der Bürger zu schützen.

Ob der Ausnahmezustand etwas an der Lage im Land ändern wird, ist unklar. Er erlaubt unter anderem Festnahmen ohne Haftbefehl und Sondergerichte, doch schon jetzt regiert die ägyptische Führung mit harter Hand. Unter dem langjährigen ägyptischen Staatschef Hosni Mubarak hatte der Ausnahmezustand drei Jahrzehnte lang gegolten. Seine Aufhebung hatte zu den Hauptforderungen der Demonstranten gezählt, die Mubarak schließlich 2011 zu Fall brachten.

Trauer in Alexandria

Kopten begannen inzwischen damit, die Toten von Alexandria und Tanta zu beerdigen. Frauen klagten laut, als Särge mit der Aufschrift "Märtyrer" in die Mar-Amina-Kirche in Alexandria gebracht wurden, wie Aufnahmen ägyptischer Fernsehsender zeigten.

Am Palmsonntag hatte eine erste Detonation die dicht gefüllte St.-Georgs-Kirche in Tanta erschüttert. Dabei wurden nach Behördenangaben mindestens 28 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt. Der zweite Anschlag zielte auf die Markus-Kathedrale in Alexandria, wo der koptische Patriarch Tawadros zuvor den Palmsonntagsgottesdienst gefeiert hatte. In Alexandria gab es laut Innenministerium mindestens 17 Tote und fast 50 Verletzte. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) reklamierte die Tat für sich.

Für die koptische Minderheit war es einer der blutigsten Tage seit Jahrzehnten und einer der schlimmsten Angriffe in Ägypten seit Dezember, als bei einem Anschlag in Kairo 30 Menschen in den Tod gerissen wurden. Auch damals reklamierte der IS die Tat für sich.

Kopten wiederholt Opfer von Anschlägen

Koptische Christen zählen zu den ältesten Kirchengemeinden der Welt. Sie stellen rund zehn Prozent der ägyptischen Bevölkerung und sind wiederholt Ziel von Anschlägen islamischer Extremisten geworden.

In einer Reaktion auf die Anschläge schloss Israel seinen Übergang Taba an der Grenze zu Ägypten. Zuvor hatte die israelische Antiterrorbehörde vor einem unmittelbar bevorstehenden Angriff gewarnt. Nach Angaben des israelischen Militärs feuerten Extremisten von der Sinai-Halbinsel kurz darauf eine Rakete in Richtung Südisrael ab. Verletzte gab es dabei demnach nicht.

Kurz nach den Anschlägen forderte Israel seine Bürger auf, vom Sinai nach Hause zurückzukehren. Die ägyptische Halbinsel ist ein beliebtes Ziel für israelische Touristen, insbesondere während des am Montagabend beginnenden Passachfestes.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. April 2017 um 12:00 Uhr.

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