Vor dem Gericht demonstrierten viele Menschen für die Freilassung Demircis. | Bildquelle: dpa

Prozess in Istanbul Demirci bleibt im Gefängnis

Stand: 20.11.2018 21:10 Uhr

Der in der Türkei angeklagte deutsche Journalist Adil Demirci muss weiter in U-Haft bleiben. Einen Grund dafür nannten die Richter nicht. Demirci hatte vor Gericht die Terrorvorwürfe gegen ihn bestritten.

Der Kölner Sozialarbeiter und Journalist Adil Demirci kann das Gefängnis in Istanbul nicht verlassen. Nach einem langen ersten Prozesstag am 25. Strafgericht im Istanbuler Stadtteil Caglayan verfügten die Richter, dass nur sechs der in U-Haft sitzenden Angeklagten freikommen. Zusammen mit Demirci standen 22 weitere Angeklagte vor Gericht.

Demirci war nicht unter den Freizulassenden, wie einer seiner Anwälte sagte. Einen Grund hätten die Richter nicht genannt. Der nächste Verhandlungstermin sei auf den 14. Februar 2019 festgesetzt worden.

Prozessauftakt gegen A. Demirci in der Türkei
tagesschau 17:00 Uhr, 20.11.2018, Katharina Willinger, ARD Istanbul

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Erinnerungen an den Fall Tolu

Die Linken-Abgeordnete Heike Hänsel, die zusammen mit dem SPD-Abgeordneten Rolf Mützenich und dem deutschen Generalkonsul Michael Reiffenstuel das Verfahren beobachtete, äußerte scharfe Kritik an dem Prozess. "Das juristische Vorgehen gegen Adil Demirci ist ähnlich konstruiert wie die Anklage gegen die deutsche Journalistin Mesale Tolu", sagte Hänsel.

Tolu hatte wie Demirci für die linke türkische Nachrichtenagentur Etha gearbeitet und vergangenes Jahr mehrere Monate in Untersuchungshaft verbracht, bevor sie im Dezember freigelassen wurde und im August schließlich ausreisen konnte.

Demirci weist Vorwürfe zurück

Demirci wies zum Prozessauftakt den Vorwurf der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zurück. Der 32-Jährige bestätigte zwar die Teilnahme an Beerdigungen von Kämpfern gegen die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS), bestritt aber eine Mitgliedschaft in einer "Terrororganisation".

Er sei in den vergangenen Jahren wiederholt ohne Probleme in die Türkei ein- und ausgereist. Doch als er im April auf Urlaub mit seiner krebskranken Mutter in Istanbul gewesen sei, sei in der Wohnung seiner Großeltern festgenommen worden.

Adil Demirci | Bildquelle: EtHA
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In Istanbul vor Gericht: Adil Demirci aus Köln.

"Anklage hat keine Beweise"

Sein Anwalt Mustafa Peköz warf der Anklage vor, keine Beweise für ihre Vorwürfe vorgelegt zu haben. "Die Staatsanwaltschaft muss Beweise erbringen, dass mein Mandant als Mitglied in einer verbotenen terroristischen Vereinigung tätig ist", sagte Peköz. Diese Vorwürfe seien "für unser Land eine Schande" und den Beobachtern aus Deutschland nicht zu erklären.

Demirci soll in den Jahren 2013, 2014 und 2015 an Beerdigungen von Mitgliedern der linksextremen MLKP und der kurdischen YPG teilgenommen haben. Er wird der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verdächtigt. Mit ihm sind 22 weitere Menschen angeklagt.

Günter Wallraff beim Prozess gegen Adil Demirci in Istanbul | Bildquelle: AFP
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Günter Wallraff beim Prozess gegen Adil Demirci in Istanbul.

Wallraff: "Nichts dran"

Der Kölner Buchautor und Journalist Günter Wallraff, ebenfalls vor Ort, kritisierte das Verfahren: "Es gibt keinen Grund, dass man diesen Menschen hier einsperrt", sagte Wallraff. "Der einzige Grund ist, andere Menschen davon abzuschrecken, ihre Meinung zu sagen." Er habe als Journalist "akribisch" zu dem Fall recherchiert, doch es sei "nichts dran".

Die Unterstützer Demircis hoffen, dass seine Untersuchungshaft aufgehoben und ihm die Ausreise erlaubt wird. Allerdings waren in den vergangenen drei Monaten drei Deutsche wegen Terrorvorwürfen zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden, zuletzt der Gießener Patrick Kraicker und die kurdischstämmige Sängerin Hozan Cane aus Köln.

Adil Demirci muss in U-Haft bleiben
Marion Sendker, ARD Istanbul
21.11.2018 06:52 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 20. November 2018 um 22:15 Uhr.

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