Kurdische Sicherheitskräfte in Manbidsch. | Bildquelle: dpa

Manbidsch Syrien verkündet Abzug kurdischer Truppen

Stand: 02.01.2019 21:49 Uhr

Vor dem Hintergrund einer drohenden türkischen Offensive sind offenbar Hunderte kurdische Kämpfer aus Manbidsch abgezogen. Im Nordwesten Syriens kam es zu schweren Gefechten - mehr als 30 Menschen starben.

Die syrische Armee hat den Abzug von fast 400 kurdischen Kämpfern aus der Region Manbidsch nahe der türkischen Grenze verkündet. Ein Konvoi aus mehr als 30 Fahrzeugen sei auf dem Weg Richtung Euphrat, erklärte das Verteidigungsministerium. Die Bekanntgabe erfolgte wenige Tage, nachdem die syrischen Kurden in der Region die Regierung in Damaskus um Beistand angesichts einer drohenden türkischen Militäroffensive gebeten hatten.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, etwa 250 Kämpfer der von Kurden angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) hätten die Stadt Manbidsch verlassen. Hunderte SDF-Anhänger hielten sich jedoch weiterhin dort auf. Der Militärrat der Stadt wies die Meldungen über einen Abzug zurück.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Sie bezeichnet sich als unabhängig. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Drohungen aus der Türkei

Die innerhalb der SDF wichtigste Kurdenmiliz YPG hatte Manbidsch 2016 erobert und damals die Kämpfer der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) aus der Stadt vertrieben. Dabei waren sie von der internationalen Anti-IS-Koalition unter Führung der USA mit Luftangriffen, Spezialkräften und Waffen unterstützt worden.

Die Türkei sieht in der YPG den syrischen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und bekämpft sie. Die Präsenz der Kurdenmiliz in Manbidisch war ihr von Beginn an ein Dorn im Auge, da sie ein durchgehendes unabhängiges kurdisches Gebiet an ihrer Südgrenze verhindern will. Im vergangenen Monat hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan eine neue Offensive gegen die Kurden in Nordsyrien angekündigt. Unklar ist jedoch, wann genau diese beginnen soll.

Trump dementiert Vier-Monats-Frist

Hintergrund der neuen Entwicklungen ist auch der bevorstehende Abzug der US-Truppen aus der Region. US-Präsident Donald Trump hatte Mitte Dezember - gegen die Empfehlung seiner Berater - überraschend angekündigt, alle 2000 US-Soldaten aus Syrien abzuziehen. Er begründete dies damit, dass die IS-Miliz dort besiegt und damit das Einsatzziel erreicht sei.

Trump wies heute allerdings Berichte zurück, nach denen er den Abzug binnen vier Monaten abschließen wolle. Er habe niemals über diese kolportierte Frist gesprochen, sagte er vor Journalisten. Tatsächlich würden die Militärs "über eine gewisse Zeitspanne hinweg" abgezogen.

Mehr als 30 Tote bei Kämpfen im Nordwesten

Der angekündigte Rückzug der USA hat im Nordwesten Syriens offenbar auch blutige Kämpfe um Einflusssphären ausgelöst. In zweitägigen Kämpfen in den Provinzen Aleppo und Idlib wurden nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle 31 Menschen getötet. Die Kämpfe wurden demnach zwischen dem mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbundenen Komitee zur Befreiung der Levante (Haiat Tahrir al-Scham) und der von der Türkei unterstützten dschihadistischen Gruppe Nur al-Din al-Sinki geführt.

Laut den Aktivisten waren es die schwersten Gefechte zwischen den militanten Gruppen seit drei Monaten. Beide beschuldigten sich gegenseitig, die Kämpfe ausgelöst zu haben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk24 am 02. Januar 2019 um 21:00 Uhr.

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