Gavin Newsom hät eine Rede, dahinter stehen mehrere Frauen, sie halten Schilder mit der Aufschrift "I stand with planned parenthood". | AP

Kalifornien und "Roe v. Wade" Recht auf Abtreibung soll in Verfassung

Stand: 05.05.2022 08:43 Uhr

Abtreibungen könnten schon bald in vielen US-Staaten illegal werden. Kalifornien positioniert sich klar dagegen - und bereitet sich darauf vor, dass mehr Frauen für eine legale Abtreibung dorthin kommen.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Es sei ein bemerkenswerter Moment in der US-Geschichte, sagte der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom bei einer Pressekonferenz im Hauptquartier von Planned Parenthood in Los Angeles.

Katharina Wilhelm ARD-Studio Los Angeles

Die Organisation bietet im Bereich Sexualmedizin verschiedene Dienste an, beispielsweise Beratung zu Schwangerschaftsverhütung und -abbrüchen. "Während in anderen Ländern Freiheitsrechte ausgebaut werden, sind die USA dabei, Rechte wieder einzuschränken", so der Gouverneur.

Abtreibungen könnten illegal werden

Newsom steht, ähnlich wie viele andere Mitglieder der Demokraten, hinter dem seit 1973 in der US-Verfassung verankertem Recht auf Abtreibung, im Volksmund wird es "Roe vs. Wade" genannt. 

Das Urteil aus den 1970er-Jahren könnte nun von dem mehrheitlich konservativen Gremium im Obersten Gericht der USA gekippt werden. Damit könnten in vielen US-Bundesstaaten Abtreibungen illegal werden.

Und vielleicht nicht nur das, warnt Kaliforniens Gouverneur: "Glaubt ihr für eine Sekunde, die gleichgeschlechtliche Ehe ist sicher in den USA? Es gibt einen Senator, der will, dass selbst die Ehe zwischen Weißen und Schwarzen vom Supreme Court überprüft wird!"

Gouverneur will Recht in Verfassung verankern

In Kalifornien sind Abtreibungen legal. Das würde sich auch nicht durch eine Änderung in der US-Verfassung ändern. Im Gegenteil: Newsom will das Recht auf eine sichere Abtreibung im November in der Verfassung des Bundesstaates verankern. Kalifornien solle ein sicherer Hafen sein, betont man seitens der Demokraten. 

Noch ist nichts entschieden, doch schon jetzt gingen Tausende Menschen auch in Los Angeles und San Francisco aus Protest auf die Straße. Kalifornien hatte Abtreibungen bereits 1967 legalisiert, sechs Jahre früher als der Oberste Gerichtshof sein Urteil fällte. 

"Reisefonds" für Abtreibung in Kalifornien

Kalifornien will weiter für "Freedom of Choice" stehen, für Wahlfreiheit. Man erwartet, dass viele Frauen in den Westküstenstaat kommen, um legal abtreiben zu können, sagt die Rechtsprofessorin Cary Franklin von der Universität UCLA dem Radiosender NPR. Die sei schon der Fall, seitdem Texas Schwangerschaftsabbrüche erschwert hatte.

"Wir sehen schon jetzt viele tausend Menschen mehr, die kommen. Und laut Vorhersagen werden es Zehntausende mehr werden. Das wird die Anbieter und die Infrastruktur hier belasten, aber sie bereiten sich dafür vor", so die Rechtsprofessorin. Experten gehen von einem Anstieg allein in Kalifornien von 46.000 Patientinnen auf 1,4 Millionen aus. 

Nicht alle können sich eine Reise und den Aufenthalt leisten. Auch dafür gibt es bereits Ideen in Kalifornien. Politikerin Nancy Skinner aus Berkeley hat einen Gesetzentwurf eingebracht, der beispielsweise eine Art Reisefonds vorsieht, um Flug, Benzin, Unterkunft und Mahlzeiten für Frauen zu zahlen, die in Kalifornien eine Abtreibung vornehmen lassen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 05. Mai 2022 um 15:51 Uhr.