Eine Frau hält einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand. | picture alliance / dpa Themendie

Abtreibungsdebatte US-Unternehmen positionieren sich

Stand: 16.05.2022 04:25 Uhr

Offenbar wollen immer mehr Unternehmen ihren Beschäftigten Reisekosten für Abtreibungen in einem anderen Bundesstaat bezahlen - und mögliche Prozesskosten bei illegalen Abtreibungen. Die Republikaner überlegen, wie sie die Firmen bestrafen können.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Beim konservativen Fernsehsender Foxnews gab es in diesen Tagen viele Fragen: "Ich will wissen, ob Levi-Strauss bald keine Jeans für Schwangere mehr herstellt, weil den Mitarbeiterinnen jetzt offenbar Abtreibungen und Reisekosten bezahlt werden", wollte Kommentatorin Monica Crowley wissen, und umgekeht: Wenn jemand ein Baby bekommt, gibt es dann 4000 Dollar Bonus? Zum Ausgleich?

Katrin Brand ARD-Studio Washington

Die Debatte um Abtreibungen ist mit voller Wucht in den US-Unternehmen angekommen. Vor etwa zwei Wochen war durchgestochen worden, dass der Supreme Court bereit sein könnte, das bisherige Abtreibungsrecht zu kippen. Und dann wäre es schon bald in wenigstens 13 Staaten unmöglich, eine Schwangerschaft abzubrechen.

Viele Amerikanerinnen und Amerikaner sind über ihre Arbeitgeber krankenversichert. Und so kommen die Unternehmen ins Spiel. Etliche große Firmen haben schon vor Monaten angekündigt, dass sie Abtreibungen auch in Zukunft bezahlen werden. Und die Reisekosten obendrauf, sollte es nötig sein, in einen anderen Bundesstaat zu fahren.

Uber will in Texas Prozesskosten zahlen

Citigroup, Starbucks, Amazon, Apple und Salesforce hätten alle Anfang des Jahres schon gesagt, sie würden diese Reisekosten übernehmen. So listete es Reporterin Alexis Keenan beim Sender Yahoo auf.

Auch Tesla gehört dazu. Der Konzern ist gerade dabei, seinen Firmensitz nach Austin, Texas, zu verlegen. Und in Texas sind seit vorigem Jahr schon Abtreibungen fast unmöglich. Wer Frauen bei illegalen Abtreibungen hilft, muss in Texas mit hohen Strafen rechnen. Die Fahrdienste Uber und Lyft versicherten ihren Fahrern deshalb, sie würden in diesem Fall die Prozesskosten übernehmen.

"Frauen um Jahrzehnte zurückwerfen"

Auch Finanzministerin Janet Yellen mischte sich ein. Das Recht auf Abtreibung habe dazu beigetragen, die Erwerbstätigkeit der Frauen zu erhöhen. "Den Frauen das Recht zu nehmen, selbst zu entscheiden, wann und ob sie Kinder haben wollen, würde der Wirtschaft schweren Schaden zufügen und Frauen um Jahrzehnte zurückwerfen", sagte sie vorige Woche.

Republikaner wollen Firmen bestrafen

Bei den Republikanern baut sich Gegendruck auf. Senator Marco Rubio legte vorige Woche einen Gesetzentwurf vor. Er will bestimmten Unternehmen die Möglichkeit nehmen, Ausgaben für die Krankenversicherung steuerlich abzusetzen.

"Unser Steuerrecht sollte familienfreundlich sein. Stattdessen finden unsere Unternehmen zu oft Schlupflöcher, um den Mord an ungeborenen Kindern oder scheckliche, vermeintlich medizinische Behandlungen von Kindern zu subventionieren. Mein Gesetzentwurf würde sicherstellen, dass das nicht passiert", heißt es in seiner Begründung.

Zwar hat Rubios Gesetzentwurf wenig Chancen, im Senat durchzukommen. Aber der Fall Disney hat die Unternehmen gewarnt. Florida will dem Disney-Konzern seine Privilegien entziehen, weil Disney ein Gesetz kritisiert hatte. Es ging um Schulunterricht und das Thema sexuelle Orientierung. US-Unternehmen steht ein schwieriger Balanceakt bevor.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 16. Mai 2022 um 07:22 Uhr.