Plakate zum Referendum in Irland hängen an einer Straßenlaterne | Bildquelle: AIDAN CRAWLEY/EPA-EFE/REX/Shutte

Referendum über Abtreibung Zeitenwandel in Irland?

Stand: 25.05.2018 05:30 Uhr

Per Verfassung sind Schwangerschaftsabbrüche im katholischen Irland verboten. Heute stimmen die Iren darüber ab, ob das Abtreibungsverbot aufgehoben wird. Das wäre eine Revolution.

Von Stephanie Pieper, ARD-Studio London

Vor dem Bahnhof von Dun Laoghaire, einem Vorort von Dublin, verteilt Melisa Halpin mit Gleichgesinnten Aufkleber und Broschüren an Berufspendler, die zum Zug eilen. Die 55-Jährige trägt an ihrem Blazer einen Button, auf dem "Yes" steht. Sie hofft, dass die Iren heute mehrheitlich dafür stimmen, die Verfassung zu ändern, Abtreibungen zu erlauben:

"Ich bin dafür, dass die Frau die Wahl hat - kein Jurist, kein Politiker, kein Arzt sollte die Entscheidung für sie treffen. Ich denke, Irland ist zum Wandel bereit - und dazu, die dunklen Zeiten hinter sich zu lassen."

Melisa selbst ist vor vielen Jahren nach Großbritannien gereist, um dort abzutreiben - wie es immer noch geschätzt 5000 Irinnen im Jahr tun. Sie will, dass den Betroffenen endlich in Irland geholfen wird: Denen, die vergewaltigt wurden und schwanger sind, denen, deren Babys außerhalb des Mutterleibs nicht überleben werden, aber auch denen, die eine Schwangerschaft aus persönlichen Beweggründen beenden möchten. Auf diesen Tag des Volksentscheids haben Frauen wie Melisa seit 35 Jahren gewartet.

Volksabstimmung: Iren entscheiden über Abtreibungsverbot
tagesschau 12:00 Uhr, 25.05.2018, Hanni Hüsch, ARD London

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Ausweg aus der Illegalität

"Stimmt mit Nein - entscheidet euch für das Leben!", mit diesem Spruch wirbt Claire Byrne hingegen für ihre Position: keine Verfassungsänderung, kein Recht auf Abtreibung. Die 41-Jährige ist Ingenieurin und bezeichnet sich als Feministin; für sie geht es hier jedoch nicht um Frauenrechte, sondern um das Menschenrecht des ungeborenen Kindes auf ein Leben: "Ich glaube an die Wissenschaft, und die besagt, dass im Mutterleib menschliches Leben wächst. Das sollte man nicht töten."

Der Vorschlag der Regierung ist ihrer Ansicht nach zu extrem. In Großbritannien sei bei etwa 97 Prozent aller Abtreibungen die Mutter gesund und das Baby gesund. Es gehe also nicht nur um die Härtefälle.

Abtreibung ohne Angabe von Gründen

Der Gesetzentwurf ist der Vorschlag einer Bürgerversammlung und sieht vor, dass Irinnen bis zur zwölften Schwangerschaftswoche ohne Angabe von Gründen abtreiben dürfen. Die konservative Minderheitsregierung ist dafür, ebenso wie alle Parteien im Parlament.

In den Umfragen lagen bis zuletzt die Befürworter einer Lockerung vorn, auch wenn ihr Vorsprung geschmolzen ist. Die jüngeren Wähler und die in den Städten sind überwiegend für die Liberalisierung - während die auf dem Land und die Älteren eher dagegen sind.

Wähler sind unentschieden

So wie der 80-jährige Tim, der durch eine Dubliner Einkaufsstraße bummelt:

"Ich bin Katholik, und wenn man jemandem das Leben nimmt, dann verwehrt man einem Kind das Recht auf ewiges Leben im Himmel. Man tötet es. Nichts anderes ist eine Abtreibung."

Bis zu jeder fünfte Wähler war kurz vor der Abstimmung noch unentschieden. Von der katholischen Kirche lässt sich Janet nichts mehr sagen, nach all den Skandalen um Kindesmissbrauch durch Priester und den Umgang mit unverheirateten Müttern. Die 40-Jährige hofft inständig auf ein "Ja"-Votum, ist jedoch nervös: "Wenn die Verfassungsänderung nicht durchgeht, dann wäre das ein Schlag ins Gesicht für uns Frauen; dann müssen wir womöglich wieder eine Generation warten, ehe wir eine Lösung haben."

Ob sich die Zeiten in Irland beim heiklen Thema Abtreibung ändern, wird sich zeigen.

Yes or No: Iren stimmen über Abtreibung ab
Stephanie Pieper, ARD London
24.05.2018 21:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Mai 2018 um 06:00 Uhr.

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