Explosionen nach Luftangriffen in der Stadt Khan Younis im südlichen Gazastreifen | Bildquelle: dpa

Israels Abkommen mit VAE und Bahrain Eskalation mit Ansage?

Stand: 16.09.2020 13:18 Uhr

Friedenschance oder Auslöser für weitere Spannungen? Die Palästinenser sind außer sich über das Abkommen zwischen Israel, Bahrain und der VAE. Noch während der Unterzeichnung feuerten militante Palästinenser Raketen auf Israel.

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Der Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate steht vor dem Weißen Haus in Washington. Er spricht von einer ausgestreckten Hand des Friedens, von einem Signal der Hoffnung für die ganze Welt. Zeitgleich ertönt in Aschdod Raketenalarm. Die israelische Hafenstadt liegt etwa 30 Kilometer nördlich vom Gazastreifen.

Normalerweise feuern militante Palästinenser nur bei schweren Eskalationen mit Israel so weit. Israel wiederum betrachtet den Einsatz von schwereren Raketen mit höherer Reichweite als besonders schwerwiegend.

Bei dem gestrigen Angriff wurden zwei Israelis verletzt. Die israelische Luftwaffe reagierte mit Angriffen auf Stellungen der Hamas, die Gaza kontrolliert. Am frühen Morgen wiederum schossen militante Palästinenser weitere Mörsergranaten und Raketen ab.

"Tag des Zorns"

Noch hat sich keine Gruppe zu den Angriffen bekannt. Israel macht aber die Hamas für alle Angriffe aus dem Gazastreifen verantwortlich. "Das ist ein Tag des Zorns für das palästinensische Volk und für die islamische und arabische Welt", sagte ein Sprecher der Hamas. "Es ist ein Tag der Demütigung für die Anführer von Bahrain und den Emiraten, die nun ihre Beziehungen mit den zionistischen Besatzern normalisieren. Sie haben betrogen und die Unterstützung für Palästina aufgegeben."

Die Vertreter der Golfstaaten betonen, dass sie die Palästinenser nicht aus den Augen verlieren werden. Die kaufen das Bahrain und den Emiraten aber nicht ab.

Beide Länder waren bislang Teil der Arabischen Friedensinitiative. Die sicherte Israel eine Normalisierung zu, falls die Besatzung des Westjordanlandes beendet wird und es einen eigenen palästinensischen Staat gibt - mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt.

Keine Gespräche zwischen Abbas und Netanyahu

Die Reaktion der palästinensischen Autonomiebehörde fiel weniger martialisch aus als die der Hamas. Frieden in der Region könne es nur geben, wenn die israelische Besatzung des Westjordanlandes beendet werde, so Präsident Machmud Abbas.

Er weigert sich aktuell, mit Israel und den USA auf Basis des Nahost-Plans von US-Präsident Donald Trump zu verhandeln. Das letzte offizielle Gespräch zwischen Abbas und Israels Premier Benjamin Netanyahu liegt Jahre zurück.

Netanyahu meldete sich kurz vor seiner Rückreise nach Israel: "Mich wundert es nicht, dass die palästinensischen Terroristen ausgerechnet zum Zeitpunkt dieser historischen Zeremonie auf Israel geschossen haben. Sie wollen die Uhr des Friedens zurückdrehen. Aber es wird ihnen nicht gelingen. Wir werden all jene schlagen, die uns verletzen wollen und wir werden die Hand zum Frieden für alle ausstrecken, die den Frieden mit uns suchen."

Coronavirus in Israel und im Gazastreifen

Der Premier sagte außerdem, dass er sich nun um die Bekämpfung des Coronavirus kümmern werde. Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen in Israel steigt weiter. Ab Freitag soll ein sogenannter Lockdown verhängt werden.

Auch der Gazastreifen kämpft mit und gegen das Virus. Das ist ein Grund, warum weder Israel noch die Hamas im Gazastreifen ein Interesse an einer weiteren Eskalation haben. Und es gibt noch einen weiteren: Vertreter der Hamas bestätigten erneut, dass sie unter Vermittlung von Ägypten einen Gefangenenaustausch mit Israel verhandeln. Möglicherweise ist auch der deutsche Bundesnachrichtendienst involviert. Das Ziel ist ein vorläufiges Abkommen zwischen den beiden Feinden. Von Frieden kann aber noch lange keine Rede sein.

Eskalation mit Ansage? - Israelis und Palästinenser nach der Unterzeichnung
Benjamin Hammer, ARD Tel Aviv
16.09.2020 12:35 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 16. September 2020 um 10:38 Uhr.

Darstellung: