Facebook-Gründer Mark Zuckerberg  | Bildquelle: AP

Zuckerbergs Manifest Neue Töne vom Facebook-Chef

Stand: 17.02.2017 15:42 Uhr

Fake-News und Filterblasen: Bisher fühlte sich Facebook-Chef Zuckerberg dafür nicht verantwortlich. In einem langen Brief an die Facebook-Gemeinde klingt das jetzt anders. Alles PR-Strategie, sagen Kritiker.

Von Marie Löwenstein, tagesschau.de

Nach der US-Wahl hatte Facebook-Chef Mark Zuckerberg bestritten, dass Fake-News und Filterblasen einen großen Einfluss auf die Meinung der Menschen haben. Das sei eine "verrückte Idee", hatte er damals gesagt. In einem Brief an die Facebook-Nutzer schlägt er jetzt aber neue Töne an: Diese Entwicklungen beunruhigten ihn ebenso wie die Zunahme von Sensationslust und Populismus im Netz.

Mit dem Schreiben ändere Zuckerberg seine Kommunikationstrategie, kommentiert die Branchen-Kennerin Kara Swisher im US-Technologieblog "Recode". Er schreibt zum Beispiel, dass vereinfachte Darstellungen in sozialen Netzwerken schnell Verbreitung fänden und die Nutzer so im schlimmsten Fall "hin zu Extremen gedrängt" würden. Gegen diese Tendenzen wolle Facebook künftig mehr tun, heißt es in dem Brief.

Um etwa die Ausbreitung reißerischer Schlagzeilen zu bremsen, achte Facebook inzwischen stärker darauf, ob Nutzer einen Artikel erst teilen, nachdem sie ihn gelesen haben. "Zuckerberg erkennt an, dass sein Unternehmen eine große Rolle bei der Lösung des Problems spielt. Damit gibt er auch stillschweigend zu, dass Facebook Teil des Problems war", so Swisher.

Zuckerbergs Pläne für die Welt

Zuckerbergs knapp 6000 Wörter langer Facebook-Eintrag handelt eine große Bandbreite von Themen ab, von Terrorismus über Klimawandel bis zu sozialer Ungerechtigkeit. "Wir haben vielleicht nicht die Macht, die Welt, die wir haben wollen, sofort zu erschaffen - aber wir alle können heute anfangen, daran auf lange Sicht zu arbeiten", schreibt Zuckerberg.

Es gebe weltweit Menschen, die von der Globalisierung übergangen worden seien, und Abschottungs-Tendenzen, betont Zuckerberg. Sein Unternehmen wolle künftig eine Infrastruktur bereitstellen, die den Austausch von Informationen ermögliche und ziviles Engagement unterstütze.

Facebook ist nicht der Weltrettung verpflichtet

Der Brief sei ein "reiner PR-Stunt", kritisiert Alexander Sander im Gespräch mit tagesschau.de. Er ist Geschäftsführer des Vereins Digitale Gesellschaft, der sich für Grundrechte und Verbraucherschutz im Netz einsetzt. Der Facebook-Chef liefere kaum konkrete Lösungsansätze für drängende Probleme, sagt Sander. Daher werde sich durch das Manifest auch nicht viel ändern. Letztendlich sei Facebook als börsennotiertes Unternehmen nicht der Rettung der Welt, sondern seinen Aktionären verpflichtet.

Der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg | Bildquelle: dpa
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Der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg will mit Facebook eine weltweite Gemeinschaft bauen. Reine PR, sagen Kritiker.

Im Netz halten sich die Reaktionen der Nutzer auf Zuckerbergs Brief die Waage. Während einige Nutzer das Manifest als "inspirierend" bezeichneten, äußerten andere ihre Sorge darüber, dass Facebook plane, sich mehr in die Politik einzumischen.

Sander von der Digitalen Gesellschaft begrüßt, dass der Facebook-Algorithmus künftig Artikel besser stellen wird, die tatsächlich gelesen wurden. Er kritisiert jedoch, dass es andere wichtige Funktion noch nicht gebe: Facebook solle es seinen Nutzern zum Beispiel ermöglichen, den Algorithmus komplett auszuschalten und so Nachrichten ungefiltert anzusehen, sagt er. Nur so könnten sie aus ihrer Filterblase ausbrechen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. Februar 2017 um 17:49 Uhr.

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