Arbeiter beim Zulieferer ElringKlinger | Bildquelle: dpa

Autoindustrie im Wandel Zulieferer unter Druck

Stand: 10.08.2017 09:22 Uhr

Den deutschen Autozulieferern steht ein dramatischer Wandel bevor: weg von Stahl und Mechanik, hin zu Elektronik. Neue Konkurrenten aus der Unterhaltungselektronik drängen auf den Markt. Studien sehen aber auch Chancen.

Von Stephan Lina, BR

So deutlich hatte es bisher kaum ein Topmanager aus der Autobranche ausgesprochen: Die nächste Generation von Verbrennungsmotoren könnte gleichzeitig die letzte sein. Das sagte Wolfgang Schäfer, Finanzvorstand des Zulieferers Continental, in der vergangenen Woche bei der Vorlage der Quartalszahlen.

Schäfer sieht dafür vor allem Kostengründe: "Danach wird wahrscheinlich eine Weiterentwicklung gar nicht mehr wirtschaftlich vertretbar sein." Wegen immer strengerer Abgasgrenzwerte weltweit wird es zunehmend kostspieliger, entsprechend saubere Motoren zu entwickeln und zu bauen. Ein Aufwand, der sich für die Hersteller irgendwann nicht mehr lohnt, so Schäfer.

Zumal der langfristige globale Trend weg zum Beispiel von großen SUV hin zu kleinen Autos und vor allem zur Elektromobilität gehen dürfte, so das Ergebnis mehrerer aktueller Studien. Für viele der heutigen Branchenführer in der Zulieferindustrie könnte diese Entwicklung das Aus bedeuten.

Autozulieferer: Wie sich eine Branche umorientiert
Mittagsmagazin, 10.08.2017, Mathias Flasskamp, BR

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"Die Zukunft nicht im Blick"

So geht der US-Experte Paul Eichenberg davon aus, dass bereits im Jahr 2030 mehr als die Hälfte aller weltweit gebauten Autos einen Elektro- oder Hybridantrieb haben werden. Sollten sich die großen Zulieferer nicht schnell genug auf diesen Trend einstellen, dann dürften sie bedeutungslos werden, so Eichenberg, der vor seiner Zeit als Unternehmensberater als Stratege für den Branchenriesen Magna arbeitete.

Ein Grund sei kurzfristiges Denken: "Die Elektrifizierung der Fahrzeuge kommt viel schneller, als Industrie-Analysten es erwartet haben. Viele Firmenchefs sind so konzentriert auf ihre Quartalsergebnisse, dass sie die Zukunft nicht im Blick haben", sagte Eichenberg dem Branchenportal "Automotive News".

Zuliefermarkt verdoppelt sich

Auch die Unternehmensberatung McKinsey spricht in einer aktuellen Studie von gewaltigen Herausforderungen für die oft traditionell orientierten Unternehmen. "Automobilzulieferer müssen ihre Strategien an das veränderte Umfeld anpassen, um langfristig erfolgreich zu sein", sagt Andreas Cornet, einer der Autoren der Studie. Nur wenn sie sich auf den rasanten Wandel einstellten, hätten sie eine Chance.

Auf der anderen Seite gebe es für die Branche auch riesiges Potential. McKinsey schätzt, dass sich der globale Zuliefermarkt innerhalb weniger Jahre auf zwei Billionen Euro ungefähr verdoppeln wird. Schon jetzt spalte sich die Industrie in agile und hoch rentable Firmen auf der einen und deutlich langsamere Unternehmen auf der anderen Seite auf.

Elektronik als Wachstumstreiber

Das zeigt sich auch beim Blick auf die Quartalsberichte der großen deutschen Autozulieferer. Tendenziell meldeten diejenigen Unternehmen starkes Wachstum, die auf Trends wie Elektromobilität und digitale Vernetzung im Fahrzeug setzen. So berichteten Firmen wie Leoni oder Infineon von sprunghaft gestiegenen Bestellungen von Kabelsystemen oder Chips für die Elektroniksteuerung.

Der breit aufgestellte Branchenriese Continental sprach von einem Boom bei Fahrerassistenzsystemen, während es im Traditionsgeschäft etwa mit Reifen merklich langsamer voranging.

Allerdings droht gerade bei Hightech-Systemen neue Konkurrenz. Firmen aus der Unterhaltungselektronik und der Chemie drängen verstärkt ins Autogeschäft. So stammt der größte Teil Elektronik im Chevrolet Volt nicht von herkömmlichen Zulieferern, sondern vom koreanischen LG-Konzern, den man in Deutschland vor allem als Hersteller von Handys und Bildschirmen kennt.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Mittagsmagazin am 10. August 2017 um 13:30 Uhr.

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