Verschiedene Gemüsesorten werden in Kisten ausgestellt. | Bildquelle: dpa

Folgen des Handelsstreits Zölle treffen auch deutsche Verbraucher

Stand: 31.05.2018 17:31 Uhr

Im Zollstreit zwischen der EU und den USA steht nicht nur für Industrie und Wirtschaft viel auf dem Spiel. Die Folgen werden wohl auch deutsche Verbraucher durch höhere Preise zu spüren bekommen.

Von Dominik Lauck, tagesschau.de

T-Shirts, Jeanshosen, Tomaten oder Orangensaft - all diese Produkte könnten infolge des Handelsstreit zwischen den USA und der EU in Deutschland teurer werden. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker kündigte bereits rasche Gegenmaßnahmen an. "Die Folgen werden für die deutschen Verbraucher spürbar sein, aber nicht überdramatisch", sagt Thore Schlaak, Konjunkturexperte am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im Gespräch mit tagesschau.de.

Denn die EU hat den Gegenschlag bereits vorbereitet. Die EU-Kommission erstellte eine Liste mit US-Waren im Wert von 2,8 Milliarden Euro, die ihrerseits mit Strafzöllen belegt werden sollen. Sie umfasst unter anderem amerikanische Traditionsmarken wie Bourbon-Whiskey, Erdnussbutter und Levi's-Jeans.

EU-Strafen richten sich gezielt gegen Trump-Anhänger

Darüberhinaus sollen jedoch auch Produkte mit zusätzlichen Zöllen belegt werden, die aus US-Bundesstaaten importiert werden, in denen die Republikaner stark sind. Damit sollen offenbar gezielt Anhänger von US-Präsident Donald Trump getroffen werden. "Diese Liste kursiert bereits seit vielen Jahren in der EU", erklärt Schlaak.

Kraftstofftank einer  2017 Harley-Davidson Road King FLHR | Bildquelle: picture alliance/AP Photo
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Harley-Davidson-Motorräder werden bei entsprechenden Zöllen vermutlich teurer.

Auf diese Art und Weise hatte die EU schon einmal auf US-Schutzzölle reagiert. Als George W. Bush im März 2002 die Zölle auf Stahl erhob, kündigte die EU unter anderem Einfuhrbeschränkungen auf Orangen aus Florida und Harley-Davidson-Motorräder aus Wisconsin an - aus jenen Bundesstaaten, in denen Bush seinerzeit um seine Wiederwahl bangen musste. Keine zwei Jahre später hob dieser die Stahlzölle wieder auf.

Aufschlag richtet sich nach Branchen

Während die USA künftig auf Stahl Zölle in Höhe von 25 Prozent erheben und auf Aluminium zehn Prozent, sind die Sätze der EU-Maßnahmen noch unklar. Festgelegt wurde lediglich die Gesamtsumme - aufgeteilt nach Branchen. So sollen bei Eisen und Stahl zusätzliche Zölle in Höhe von mehr als 850 Millionen Euro erhoben werden, bei Textilien rund 88 Millionen oder bei landwirtschaftlichen Produkten fast 350 Millionen Euro.

"Dadurch werden auch die Endprodukte in Deutschland teurer", erklärt DIW-Experte Schlaak. "Es ist möglich, dass der gesamte Zollsatz auf den Preis draufgeschlagen wird oder nur ein Teil. Auf jeden Fall zahlt am Ende der Konsument einen Aufschlag."

Weitere mittelbaren Folgen der Schutzzölle

Flaschen von "Heinz Ketchup" stehen im Regal eines Supermarkets. | Bildquelle: REUTERS
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Wenn die Zölle auf Tomaten steigen, wirkt sich das auch auf Ketchup-Preise aus - allerdings sehr moderat.

Die Harley-Davidson-Motorräder oder der Bourbon-Whiskey könnten sich beispielsweise um den vollen Zollsatz verteuern. Weniger stark fallen die Aufschläge hingegen aus, wenn die Produkte in Deutschland weiterverarbeitet werden - wenn also Tomaten zu Ketchup, Kartoffeln zu Chips oder Apfelsinen zu Orangensaft verarbeitet werden. Denn die Kosten für die Aufbereitung, das Abfüllen und die Verpackung bleiben ja unverändert. Da macht der Zollaufschlag beim Endpreis nicht mehr so viel aus.

Durch die hohen Zölle ergeben sich jedoch auch weitere mittelbare Folgen. Denn die Händler werden versuchen, künftig beispielsweise mehr Tomaten aus den Niederlanden zu beziehen statt aus Kalifornien. Dadurch wird das Angebot eingeschränkt und führt zu höheren Preisen der Konkurrenzprodukte. "Am Ende bleibt weniger Geld im Portemonnaie der deutschen Konsumenten", fasst Schlaak zusammen.

Wehe, der Handelsstreit spitzt sich weiter zu

Zunächst dürften sich nach Einschätzung des Konjunkturforschers die zusätzlichen Belastungen noch in Grenzen halten. Doch wenn sich der Handelsstreit weiter zuspitzt - und die USA beispielsweise auf deutsche Autos Strafzölle erheben würden oder die EU auf amerikanische Pharmazieprodukte -, dann wären die Auswirkungen für die Verbraucher deutlich spürbarer.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 31. Mai 2018 um 18:00 Uhr.

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