Der offizielle Ball der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland im Tor | Bildquelle: PETER POWELL/EPA-EFE/REX/Shutter

WM-Übertragung Wer richtig guckt, jubelt als Erster

Stand: 14.06.2018 05:26 Uhr

Millionen fiebern ab heute bei der Fußball-WM vor den Fernsehern mit. Der Nachbar könnte jubeln, während auf dem eigenen Fernseher noch nichts passiert - wegen verschiedener Empfangsarten.

Von Jens Eberl, WDR

Es ist ein ziemlich gemeines Experiment an einem schönen Sommerabend: Der Grill brutzelt, das Fußballspiel beginnt in Kürze, die Partygäste freuen sich. Fernsehtechniker Sotirios Arvanitidis baut eine große Leinwand und einen kleinen Fernseher auf. Das Ganze hat aber einen Haken: Der Beamer für die Leinwand empfängt sein Signal über das Internet, das TV-Gerät hängt an einer Satellitenschüssel. "Das Gemeine ist, dass das Satellitensignal am schnellsten abgefangen wird und fast live ist", so der Techniker. "Das Internet-TV hat zwischen 40 und 60 Sekunden Verzögerung."

Beim Vorprogramm ist noch alles ok. Bei den ersten Chancen werden die Leute bereits unruhig. Als dann im kleinen Fernseher ein Tor fällt und auf der anderen Seite auf der Leinwand noch nichts passiert, gibt es richtige Empörung. "Ein paar Sekunden fände ich jetzt nicht so schlimm, aber wenn es wirklich um 20, 30, 40 Sekunden geht - bis dahin ist ja schon wieder das nächste Tor gefallen", beschwert sich Fußballfan Johannes Roß.

Satellit am schnellsten

Momentan gibt es vier Wege, auf denen das WM-Bild ins Haus kommen kann - und die zeitlichen Unterschiede sind teilweise gravierend. Am schnellsten ist das Signal über Satellit: Hier gibt es kaum Zeitverluste. Das Signal über DVBT2 kommt mit bis zu drei Sekunden etwas später an. Wer einen digitalen Kabelanschluss hat, muss schon mit einer Verzögerung von vier bis acht Sekunden rechnen.

Richtig anstrengend kann es mit dem Livestream aus dem Internet werden. Je nach Streamingdienst kann der Zeitversatz bis zu einer Minute betragen.

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Die Stadien der Fußball-WM in Russland aus dem All gesehen

WM-Stadion: Moskau

Moskau - Luschniki-Stadion (80.000 Zuschauer): Es ist das Herz der WM. Die historische Fassade aus den 1950er Jahren ist erhalten geblieben, der Rest der Arena am Moskwa-Ufer wurde entkernt und hochmodern wieder aufgebaut. Das Stadion war Schauplatz der Olympischen Spiele von 1980. Im Luschniki eröffnet die russische Sbornaja am 14. Juni die WM gegen Saudi-Arabien, am 15. Juli wird hier der neue Weltmeister gekürt. Deutschland bestreitet hier sein erstes Gruppenspiel gegen Mexiko.

Gruppenspiele: Russland - Saudi-Arabien (14. Juni); Deutschland - Mexiko (17. Juni); Portugal - Marokko (20. Juni); Dänemark - Frankreich (26. Juni)

Ein Achtelfinale, ein Halbfinale, Finale | Bildquelle: REUTERS

Neue Technik auf sportschau.de

Die Sportschau hat an diesem Problem gearbeitet und setzt bei der WM eine neue Technik ein, die die Verzögerung stark verkürzen soll. Im Vergleich zum Satellitensignal soll das Bild nur noch mit einem Zeitversatz von acht Sekunden ankommen. Das Internet wäre dann also etwa gleich schnell wie das Kabelfernsehen. Zudem soll die Qualität der Streams der Verbindung des Users angepasst werden. Ist er im WLAN, bekommt er die maximale Qualität, sitzt er im Zug mit schlechtem Empfang, wird die Qualität gedrosselt. 

Abwägen zwischen Kosten und Schnelligkeit

Der Empfang über Satellit ist etwas aufwändiger als die anderen Empfangsarten. Eine Schüssel muss fest am Haus angebracht werden. Jedes Empfangsgerät benötigt einen eigenen Receiver. Hier entstehen schnell hohe Kosten. Als Kompromiss, der sich noch schnell zur Weltmeisterschaft einrichten lässt, empfiehlt Sotirios Arvanitidis DVBT2. "Das digitale Signal über die Luft hat nur eine geringe Verzögerung gegenüber dem Satellit. Empfangsgeräte sind schon ab 50 Euro zu bekommen. Für die Antenne muss der Kunde dann nochmal mit etwa 30 Euro rechnen."

Auf der Fußballparty haben inzwischen viele Gäste die Seite gewechselt. Sie sitzen jetzt vor dem kleinen Fernseher. "Drüben zu gucken ist spaßfrei", sagt Fußballfan Hendrik Meseberg. "Du weißt ja, dass sich aus einer Szene gar nichts entwickeln kann, weil drüben nicht gejubelt wurde. Es sei denn, es wurde drüben gejubelt, dann weißt Du eben, dass etwas passiert ist."

Doch wer wirklich als Erster von einem Tor erfahren will, der setzt sich vor das Radio: Das Signal ist immer noch am schnellsten von allen.

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