Wlan-Router | Bildquelle: picture alliance / Ulrich Baumga

BGH-Urteil Gericht schützt WLAN-Besitzer

Stand: 24.11.2016 16:19 Uhr

Ab Werk haben WLAN-Router ein 16-stelliges Passwort. Dies dürfen Nutzer in den meisten Fällen beibehalten und ihr Netzwerk damit als geschützt ansehen. Das hat der BGH entschieden, wies aber auf eine Ausnahme hin.

Von Klaus Hempel, ARD-Rechtsredaktion

Es kann theoretisch jeden treffen: Ein Unbekannter, der technisch versiert ist, findet eine Sicherheitslücke und hackt sich in das WLAN ein. Anschließend bietet er illegal über eine Internet-Tauschbörse einen Actionfilm zum Herunterladen an. Die Filmfirma bekommt das mit, und schaltet einen Rechtsanwalt ein. Der konfrontiert den WLAN-Betreiber mit Abmahnkosten in Höhe von mehreren hundert Euro.

16-stelliges Passwort soll vor Missbrauch schützen

So erging es einer Frau, die von einer Filmfirma verklagt wurde, weil sie Abmahnkosten in Höhe von 750 Euro nicht zahlen wollte. Der Vorwurf, der ihr gemacht wurde: Als WLAN-Inhaberin müsse sie dafür sorgen, dass Unbefugte das WLAN nicht missbrauchen können. Bei der Installation ihres Routers hätte sie den WLAN-Schlüssel ändern müssen, was sie nicht getan habe. Deshalb sei sie zu Recht abgemahnt worden, so Rechtsanwältin Brunhilde Ackermann, die die Filmfirma vorm BGH vertreten hat. "Sie hätte ihrerseits ein ausreichend langes, personifiziertes, individuelles Codewort oder Schlüssel eingeben müssen. Dann wäre sie auf der sicheren Seite gewesen. Dann hätte man ihr auch keinen Vorwurf machen können."

Nun hatte der Hersteller den Router - wie das heutzutage üblich ist - schon ab Werk mit einem eigenen, individuellen Schlüssel versehen, der aus 16 unterschiedlichen Ziffern bestand. Dies sei zur Absicherung des WLAN völlig ausreichend, meint Rechtsanwalt Hendrik Höke, der die Frau in den unteren Instanzen vertreten hat. "Meines Erachtens ist es ausreichend, weil es ein individuelles, nur einmal pro Gerät vergebenes Passwort ist, und dementsprechend eine ausreichend hohe Sicherheitsstufe darstellt."

Stichwort: WLAN

WLAN ist die Abkürzung für Wireless Local Area Network. Es handelt sich um sowohl privat als auch kommerziell genutzte Funknetzwerke zum drahtlosen Zugang zum Internet. Um Unbefugten den Zugang zum Netzwerk zu blockieren, ist eine Passwortsicherung und verschlüsselte Übertragung der Inhalte üblich.

Urteil gilt nur für individuelle Codes

Sein Kollege Peter Wessels verwies darauf, dass es unter normalen Umständen kaum möglich sei, einen 16-stelligen Code zu knacken. "Bei einem individualisierten Passwort des Herstellers, das wie in diesem Fall aus 16 Ziffern besteht, besteht eine Ausspähwahrscheinlichkeit von eins zu 16 Billiarden. Darauf kann sich ein privater WLAN-Anschlussbetreiber verlassen."    

Der BGH folgte diesen Argumenten: Ein Nutzer muss den Schlüssel nicht ändern, um sein WLAN gegen Hacker zu schützen. Das gilt aber nur, wenn der Hersteller den Router vom Werk aus mit einem eigenen, individuellen Schlüssel versehen hat. Dies ist heutzutage regelmäßig der Fall. Wenn ausnahmsweise ab Werk die gleiche Zahlenkombination für mehrere Router vergeben wird, muss der Nutzer das Passwort aber ändern. Wer einen konkreten Verdacht hat, dass ein Unbefugter das WLAN gehackt hat, muss ebenfalls sofort einen neuen Code eingeben.

Az.I ZR 220/15

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. November 2016 um 16:00 Uhr.

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