Luis de Guindos, der neue Vizechef der EZB (Archivbild). | Bildquelle: REUTERS

Luis de Guindos Einst Lehman-Banker, bald EZB-Vize

Stand: 19.02.2018 17:57 Uhr

Neuer Vizepräsident der Europäischen Zentralbank soll ein Spanier werden: Nachdem Irland seinen Kandidaten zurückgezogen hatte, sprachen sich die Eurofinanzminister für Luis de Guindos aus.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Luis de Guindos ist relativ klein und von kompakter Statur. Stets korrekt gekleidet, mit Anzug und Krawatte. Im Januar wurde er 58 Jahre alt. De Guindos tritt seriös, kompetent und freundlich auf. Als Wirtschaftsminister ist er der Mann der Zahlen und betont gerne, dass Spanien sich während seiner Amtszeit von der schweren Wirtschaftskrise erholt hat.

"In Spanien geht es seit 2013 wieder bergauf. Seitdem sind etwa 1.600.000 Jobs entstanden. Wir kehren auf das Vorkrisen-Niveau zurück. Allerdings fehlen immer noch etwa anderthalb Millionen Arbeitsplätze, um auf dem Stand zu sein, den wir zu Beginn der Krise 2008 hatten."

EZB-Vize im zweiten Anlauf

Luis de Guindos ist studierter Wirtschafts- und Betriebswissenschaftler. Mitte der Neunzigerjahre ging de Guindos in die Politik, arbeitete unter dem konservativen Regierungschef José Maria Aznar im Wirtschaftsministerium und stieg dort bis zum Staatssekretär auf. Als 2004 die Sozialisten die spanische Parlamentswahl gewannen, wechselte de Guindos in die Wirtschaft. Er wurde Spanien-Chef der US-Investmentbank Lehman Brothers, deren Untergang als Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise gilt.

"Das war eine schwierige Erfahrung für mich", sagt de Guindos rückblickend. "Einigen meiner Leute in Spanien, die mit der globalen Situation auf den Finanzmärkten nichts zu tun hatten, ging es auf einmal sehr schlecht. Für sie war ich verantwortlich und habe mich mit ihnen solidarisiert."

2015 bewarb sich de Guindos um den Vorsitz der Eurogruppe. Doch er fiel durch; der Niederländer Jeroen Dijsselbloem machte das Rennen. Als die spanische Regierung de Guindos Anfang des Monats für das Amt des EZB-Vize nominierte, stellte er eines in den Vordergrund: Die Europäische Zentralbank müsse ihre Unabhängigkeit und ihre Professionalität bewahren.

Hat Bundesbankchef Weidmann Chancen auf Draghis Nachfolge?

"Alle Entscheidungsgremien der EZB müssen ebenso unabhängig bleiben. Wenn ich gewählt bin, werde ich genau das verteidigen - mit all meinen Möglichkeiten und all meiner Überzeugung."

Jens Weidmann | Bildquelle: picture alliance/AP Photo
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Bundesbankchef Weidmann werden nun Chancen auf die Nachfolge von EZB-Chef Draghi nachgesagt.

De Guindos wird der erste Spanier seit sechs Jahren, der im Führungsgremium der EZB vertreten ist.

Antonio López-Istúriz, der für die konservative Volkspartei Spaniens im Europaparlament sitzt, begrüßt die Personalie: "De Guindos blieb in den sehr komplizierten Jahren der spanischen Wirtschaftskrise absolut standhaft. Und das hat ihm Vertrauen eingebracht. Er hat sich bewiesen - in guten und in schlechten Zeiten."

Die Ernennung eines Südeuropäers als EZB-Vizevorsitzender könnte Auswirkungen auf die Zukunft von Bundesbank-Chef Jens Weidmann haben. Beobachter halten es für möglich, dass er als Nordeuropäer dann gute Chance auf die Nachfolge von EZB-Chef Mario Draghi hätte.

Neuer EZB-Vizechef: Macht der Spanier de Guindos das Rennen?
Oliver Neuroth, ARD Madrid
19.02.2018 17:07 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. Februar 2018 um 15:30 Uhr.

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