Container in China | Bildquelle: dpa

Wirtschaftliche Lage in China Flaute im Schatten der Parade

Stand: 03.09.2015 09:55 Uhr

Die Militärparade in Peking überstrahlt für einen Tag die wirtschaftlichen Probleme des Landes. Exporte und Industrieproduktion sind zurück gegangen, Börsenkurse abgestürzt. Die Volksrepublik steht vor ernsten Herausforderungen.

Von Markus Rimmele, ARD-Hörfunkstudio Shanghai

Wer wissen will, was gerade schief läuft in China, bekommt Antworten in der Stadt Yiwu in der Küstenprovinz Zhejiang. Yiwu ist der Umschlagplatz für günstige "Made in China"-Exportware. Der mehrstöckige Yiwu-Markt zieht sich wie eine gigantische Schlange durch die ganze Stadt. 70.000 kleine Shops bieten darin alles an, was Chinas Fabriken so ausspucken. Händler aus der ganzen Welt kaufen hier in großem Stil: Europäer, Araber, Inder, Kolumbianer - normalerweise. Doch es ist leerer geworden im Markt, deutlich leerer.

"Wir haben 40, 50 Prozent weniger Geschäft als früher. Der Unterschied ist riesig", sagt Wu Xiantao. Er verkauft Porzellantassen und Teegeschirr. Ein paar Shops weiter verkauft Wang Zhaoshui russisch sprechende Weihnachtsmänner. "Die Lohnkosten in China sind dieses Jahr wieder hoch gegangen. Und andere Kosten steigen auch. Gleichzeitig herrschen im Ausland Krisen, und die Kunden müssen ihre Preise senken."

Steigende Kosten, Krisen im Ausland

Chinas Exporteuren brechen die Geschäfte weg. Gründe dafür gibt es viele: steigende Kosten in China, der starke Yuan, die Krisen im Nahen Osten und in der Ukraine, wenig Wachstum in Europa. Im Juli sind die Ausfuhren um mehr als acht Prozent gefallen im Jahresvergleich. Das geht an die Grundfesten. Der Export günstiger Produkte war jahrzehntelang ein Hauptpfeiler der chinesischen Wirtschaft.

Spielzeug "made in China" | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Spielzeug "made in China"

Das größte Problem ist, dass wir unsere bisherigen Wettbewerbsvorteile verloren haben, ohne neue zu finden, sagt die Shanghaier Ökonomin Ye Tan. "Wir haben keine starken Marken und keine starke Technologie. Unser Trumpf war immer die Größe der chinesischen Bevölkerung. Mit deren Hilfe konnten wir unsere Produkte sehr günstig produzieren und weltweit verkaufen. Doch seit 2008 schwindet dieser Vorteil, und wir müssen etwas Neues finden."

Schulden und staatlich aufgepumpte Industrie

Auch der zweite wichtige Pfeiler der chinesischen Wirtschaft trägt immer schlechter: die Investitionen. Ein historisch einmaliger Bauboom hatte das Wirtschaftswachstum über viele Jahre hinweg angetrieben. Das Ergebnis sind Millionen leer stehender Wohnungen, ein gefährlicher Schuldenberg und Überkapazitäten in staatlich aufgepumpten Industrien von Stahl über Schiffbau bis Solarzellen. Unzählige Milliarden wurden buchstäblich in den Sand gesetzt.

"Ich bin nicht allzu optimistisch, was Chinas Zukunft angeht", sagt Ye Tan. "Die Ressourcen werden hier falsch verteilt. Die schlechtesten Unternehmen kriegen das meiste Geld. 70 Prozent der Gesamtfinanzierung fließt in die Staatskonzerne. Das muss sich ändern, aber das ist auch am schwierigsten."

Peking wirkt planlos und nervös. Die kommunistischen Technokraten haben den Nimbus der Unfehlbarkeit verloren.

Glänzende Parade - düstere Wirtschaftsdaten
M. Rimmele, ARD Shanghai
03.09.2015 09:20 Uhr

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