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Beim Weltwirtschaftsforum in Davos diskutieren nicht nur mächtige knapp 40 Staatenlenker, sondern auch mehr als 2000 Firmenchefs, Wissenschaftler und Gewerkschaftsvertreter. Der Tenor der Debatten am ersten Tag: "Kapitalismus, ja bitte - aber anders".
Von Axel Weiß, SWR
[Bildunterschrift: Im Zentrum aller Diskussionen in Davos: der Kapitalismus ]
Wir leben stärker denn je in einer Welt der schnellen und heftigen Veränderung - das wurde bereits in den ersten Debatten beim Weltwirtschaftsforum deutlich. Machtverhältnisse verschieben sich vom Westen in Richtung Osten, die Wirklichkeit verlagert sich immer mehr in eine digitale Welt, immer mehr Menschen sind ständig verfügbar, 24 Stunden sieben Tage lang. Angesichts der immer stärkeren Einkommensunterschiede weltweit, von Hunger, Klimawandel und Bankenkrise wird deutlich: Das bisherige System der Marktwirtschaft taugt, wie es ist, nicht zur Lösung der globalen Probleme.
Nur: Ein grundsätzlich besseres System propagieren in Davos höchstens die Gegner des Weltwirtschaftsforums von der Occupy-Bewegung. Die meisten Teilnehmer im Forum halten es eher mit David Rubenstein von der Investorgruppe Carlyle: "Kapitalismus ist möglicherweise die schlechteste aller Wirtschaftsformen, abgesehen von allen anderen Wirtschaftsformen."
Der Vorstandsvorsitzende von Alcatel-Lucent, Ben Verwaayen, verwies darauf, dass man in vielen Ländern dieser Welt eine Menge Menschen treffe, die gerne mehr Kapitalismus haben wollten, weil die Marktwirtschaft schließlich hunderte Millionen Menschen aus der Armut geholt habe. "Vielleicht ist also nicht die Philosophie schlecht, sondern die Art, wie wir sie ausführen."
Was tun also? In den nächsten Tagen werden sie in Davos weiter intensiv darüber nachdenken, wie Unternehmen moralischer agieren können, ohne von Regularien erstickt zu werden. Und die Vorstände werden sich fragen lassen müssen und diskutieren, was sie gegen die Jugendarbeitslosigkeit tun wollen.
[Bildunterschrift: Sharan Burrow, die Generalsekretärin des Weltgewerkschaftsbundes ITUC. ]
Jemand wie Sharan Burrow, die Generalsekretärin des Weltgewerkschaftsbundes ITUC, erinnert die 1500 versammelten Firmenchefs gern auch daran, wer letztlich zwangsläufig und regelmäßig zur Kasse gebeten wird, wenn es etwa Großbanken schlecht geht und sie gerettet werden müssen, weil das System sonst kollabiert: "Wir haben doch keine Wahl als aufzukaufen und mit wessen Geld: mit unserem Geld, dem Geld der Steuerzahler?"
Kapitalismus, ja bitte - das ist hier ein verbreiteter Tenor in Davos, aber bitte jetzt endlich anders als bisher. Schließlich stellt sich auch die Frage, welche Form von Marktwirtschaft sich weltweit in den Schwellenländern durchsetzt? Die westliche, eher liberale, oder die östliche Form wie in China, mit einem stärkeren Staatseinfluss. Der Staatskapitalismus schaffe mehr Jobs, wurde heute im Forum diskutiert, aber der im Westen gewohnte soziale Wohlstand werde sich so kaum halten lassen.
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