"Westfälische Rundschau" soll ohne Redaktion überleben

WAZ-Gruppe streicht 120 Stellen

"Westfälische Rundschau" soll ohne Redaktion überleben

Die WAZ-Mediengruppe schließt die Redaktion der defizitären "Westfälischen Rundschau" (WR) und streicht die 120 Stellen der Tageszeitung. "Wir werden alles daran setzen, diesen Arbeitsplatzabbau so sozialverträglich wie möglich zu gestalten", erklärte WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus in einer Pressemitteilung. Die Betroffenen wurden in Hagen bei einer Mitarbeiterversammlung informiert. Ein Sozialplan sieht - gestaffelt nach Alter und Betriebszugehörigkeit - Abfindungen vor.

SPD-Medienholding kritisiert "seelenlose Redaktionsklempnerei"

Die vier NRW-Tageszeitungen der WAZ-Gruppe (Bildquelle: dpa)
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Die vier NRW-Tageszeitungen der WAZ-Gruppe: Die WR soll künftig ohne eigene Redaktion auskommen.

"Unser Ziel ist es, die 'Westfälische Rundschau' zu erhalten", heißt es in der Pressemitteilung. Den Mantel der WR liefert die Zentralredaktion der WAZ-Gruppe, lokale Inhalte kommen ab Februar von der WAZ-eigenen "Westfalenpost" sowie von den "Ruhr Nachrichten" aus dem Dortmunder Medienhaus Lensing, vom "Hellweger Anzeiger" in Unna und vom Märkischen Zeitungsverlag in Lüdenscheid, der zur Verlagsgruppe Ippen gehört.

Die SPD-Unternehmensholding DDVG, Miteigentümerin der WR, kritisierte den Stellenabbau scharf. "Die Entscheidung der WAZ ist nicht plausibel nachvollziehbar und erweckt den Eindruck einer seelenlosen Redaktionsklempnerei", sagte die SPD-Schatzmeisterin Barbara Hendricks. Die DDVG sei von den Maßnahmen überrascht worden und sie seien nicht abgestimmt gewesen. Die DDVG hält indirekt 13 Prozent an der "Westfälischen Rundschau".

Verlag spricht von 50 Millionen Euro Verlust

Die WR ist mit einer verkauften Auflage von 115.000 einer der vier NRW-Titel der WAZ-Gruppe und hat in den vergangenen Jahren nach Verlagsangaben 50 Millionen Euro Verlust eingefahren. Die anderen drei WAZ-Titel in Nordrhein-Westfalen, die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" WAZ, die "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung" NRZ, und die "Westfalenpost" schreiben dagegen laut Verlag schwarze Zahlen. Alle vier Zeitungen zusammen verkaufen täglich 700.000 Exemplare.

Die WAZ-Gruppe beschäftigt 10.000 Mitarbeiter nicht nur in NRW, sondern auch in Thüringen, Niedersachsen, Österreich und Osteuropa. Sie verlegt mehr als 30 Tages- und Wochenzeitungen, 170 Illustrierte und Fachzeitschriften sowie Anzeigenblätter und Kundenzeitschriften. Der Umsatz lag 2011 bei 1,1 Milliarden Euro.

Stand: 15.01.2013 14:02 Uhr

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