Eine US-Flagge spiegelt sich in einem VW-Logo. | Bildquelle: dpa

Abgasskandal vor US-Gericht Urteil gegen VW-Ingenieur erwartet

Stand: 25.08.2017 05:49 Uhr

Im VW-Abgasskandal wird in den USA heute das Strafmaß gegen einen Ingenieur des Autobauers erwartet: Vor dem Bundesgericht in Detroit darf James Liang allerdings auf ein mildes Urteil hoffen, weil er als Kronzeuge mit den US-Justizbehörden zusammenarbeitete.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

James Robert Liang arbeitete seit 1982 als Ingenieur bei Volkswagen in Wolfsburg. Im Laufe der Jahre stieg er zum Leiter für Diesel-Technik auf. Und als VW bewusst wurde, dass die strengen Umweltvorschriften für Dieselfahrzeuge in den USA nur mit einer illegalen Betrugssoftware eingehalten werden konnten, wurde James Liang nach Amerika versetzt. In den USA war Liang für die Zulassung der Dieselmodelle von VW zuständig.

Für die amerikanischen Ermittler ist der Diesel-Experte zwar nur ein vergleichsweise "kleiner Fisch", aber Liang ist der erste Kronzeuge, der bereit war, auszupacken.

VW-Ingenieur James Liang hat im Abgasskandal als Kronzeuge ein umfassendes Geständnis abgelegt. | Bildquelle: AP
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VW-Ingenieur James Liang hat im Abgasskandal seine Vorgesetzten belastet.

Umfassendes Geständnis abgelegt

Schon früh stellte er sich den US-Behörden und legte im vergangenen September ein umfassendes Geständnis ab. Sein Anwalt Daniel Nixon sagte damals: "Herr Liang kam nach Detroit, um Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen. Er ist einer von vielen bei VW, die in den Diesel-Skandal verwickelt sind. Und er bedauert sehr, was passiert ist."

Um eine geringere Strafe zu bekommen, offenbarte Liang seine Kenntnisse über den Dieselskandal. Dabei belastete er seine Vorgesetzten. Dies führte zu sieben weiteren Anklagen und Fahndungsaufrufen gegen Verantwortliche von VW, darunter auch Entwicklungsvorstand Heinz-Jakob Neußer - sowie Liangs unmittelbarer Vorgesetzter Oliver Schmidt.

Der VW-Manager ging den US-Behörden Anfang des Jahres ins Netz. Nach einem Urlaub in Florida wurde Schmidt verhaftet und sitzt seitdem in einem Gefängnis in der Nähe von Detroit. Anfang des Monats bekannte sich auch Schmidt in allen Punkten für schuldig. Und auch er hofft durch Kooperation mit den US-Behörden auf ein mildes Urteil Ende des Jahres.

Liang mit Fußfessel, kein Gefängnis

Sowohl Manager Oliver Schmidt als auch Diesel-Experte James Liang haben sich bisher nur über ihre Anwälte zu Wort gemeldet. Liang wurde nach seinem Schuldeingeständnis vor einem Jahr von Gerichtsreportern gefragt, ob er sein Verhalten bereue. Seine knapp Antwort damals: "Ich habe nichts zu sagen. Danke!"

Anders als sein Chef musste James Liang bisher nicht ins Gefängnis, sondern lediglich eine elektronische Fußfessel tragen. Sein Anwalt Daniel Nixon hofft, dass es auch nach dem heutigen Urteil dabei bleibt. Schließlich sei Liang ein wichtiger Kronzeuge und habe die volle Verantwortung für seine Taten akzeptiert. Deshalb plädierte Nixon für eine milde Bewährungsstrafe: ein Jahr Hausarrest für Liang, 1500 gemeinnützige Arbeitsstunden und ein geringes Bußgeld.

Liang kein "Mastermind" des Skandals

Auch die Anklage lobte den VW-Ingenieur für seine Kooperation. Statt der eigentlich fälligen fünf Jahre Gefängnis sei man bereit, nur drei Jahre zu fordern; und anstelle der maximalen Geldstrafe von 250.000 Dollar nur 20.000. Schließlich sei Liang nur ein loyaler Beschäftigter bei VW gewesen und kein "Mastermind" hinter dem Dieselskandal.

Wenn Bundesrichter Sean Cox heute sein Urteil verkündet, rechnen Experten eher mit einer milden Strafe für Liang. Schließlich hofft die US-Justiz darauf, dass weitere Kronzeugen auspacken. Die Ermittler in den USA sind ohnehin davon überzeugt, dass der Diesel-Betrug auch in den oberen Chefetagen in Deutschland bekannt war. Und dass am Ende die volle Wahrheit ans Tageslicht kommt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau im ARD-Morgenmagazin am 25. August 2017 um 06:00 Uhr.

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