Die amerikanische Fahne spiegelt sich in einem VW-Logo. | Bildquelle: dpa

Abgasskandal FBI-Kronzeugen belasten VW-Vorstand

Stand: 10.01.2017 17:00 Uhr

Mindestens fünf VW-Mitarbeiter aus Wolfsburg haben sich nach Informationen von NDR, WDR und SZ dem FBI als Kronzeugen in der Abgasaffäre zur Verfügung gestellt. Einige Aussagen belasten Ex-Konzernchef Winterkorn und den noch amtierenden VW-Markenvorstand Diess stark.

Von Stephan Wels, Thorsten Hapke, Georg Mascolo

Nach Informationen von NDR, WDR und SZ haben sich mindestens fünf VW-Mitarbeiter aus Wolfsburg dem FBI als Kronzeugen in der Abgasaffäre zur Verfügung gestellt. Einige Aussagen dieser Zeugen trugen maßgeblich zur Festnahme eines VW-Managers am Wochenende in Florida bei. Ihm wird vorgeworfen, er habe die amerikanischen Umweltbehörden bezüglich der Abgaswerte in den VW-Autos angelogen und betrogen. Er war bis 2015 Leiter des Technik- und Umweltbüros von Volkswagen in den USA. Die deutsche Justiz führt bislang kein Verfahren gegen ihn.

Die amerikanischen Ermittler wollen vor allem herausfinden, inwieweit die deutschen Vorstände für den Abgas-Betrug verantwortlich sind. Mithilfe der Kronzeugen hat das FBI nach Informationen von NDR, WDR und SZ nun den Ablauf einer Sitzung am 27. Juli 2015 in Wolfsburg rekonstruiert.

FBI-Kronzeugen belasten ehemaligen VW-Vorstand
tagesschau 20:00 Uhr, 10.01.2017, Jörg Ihßen, NDR

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Vorstand soll Ende Juli 2015 informiert worden sein

An diesem Tag sollen die verbotenen Abschalteinrichtungen dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn sowie dem heute noch amtierenden VW-Markenvorstand Herbert Diess detailliert beschrieben worden sein. Die beiden hätten jedoch nicht darauf gedrängt, den Betrug zu beenden und den amerikanischen Behörden reinen Wein einzuschenken. Vielmehr, so das FBI, sei in der Sitzung beschlossen worden, die Vertuschung fortzuführen.

Damit widersprechen die Kronzeugen der bisherigen Darstellung von VW. Der Konzern hatte stets beteuert, dass er in den USA die Manipulationen sofort gegenüber den Behörden eingeräumt habe, nachdem der Vorstand davon erfahren hatte.

Der VW-Markenchef Herbert Diess spricht während einer Pressekonferenz in Wolfsburg. | Bildquelle: dpa
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VW-Markenchef Herbert Diess wird von einigen Aussagen stark belastet.

Winterkorn und Diess seien nicht überrascht gewesen

Teilnehmer der Sitzung Ende Juli 2015 sagen nun, dass Winterkorn und Diess von der Existenz der Abschalteinrichtung nicht überrascht gewesen seien. Damals sei auch der Begriff "defeat device" gefallen. Der Einsatz einer solchen Einrichtung ist verboten. Allen sei klar gewesen, um was es gegangen sei. Auch die Höhe von möglichen Strafen sei thematisiert worden.

Laut Aussagen von Sitzungsteilnehmern ging es dem VW-Vorstand alleine darum, eine Zulassung für das neue Passat-Modell in den USA zu erhalten. Diese wurde damals von den Behörden verweigert, weil VW keine plausible Erklärung für die gemessenen, erhöhten Schadstoffwerte liefern konnte.

In der Sitzung wurde vereinbart, weitere Gespräche in den USA zu führen. Winterkorn habe um "Vorsicht" im Umgang mit den Behörden gebeten, sagen Teilnehmer der Sitzung aus. Sie hätten das als Aufforderung betrachtet, den Betrug nicht zu gestehen, sondern andere Erklärungen für die erhöhten Schadstoffwerte zu präsentieren, sodass die neuen Fahrzeuge zugelassen werden könnten.

Die in der Sitzung beschlossenen Gespräche mit den US-Behörden führte anschließend der Manager, der nun in Florida verhaftet worden ist. Unbehelligt von der amerikanischen Justiz blieb hingegen VW-Markenvorstand Herbert Diess. Auch er war gerade in den USA, präsentierte am Montag neue VW-Modelle auf der Detroit Auto Show.

Martin Winterkorn in seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG (Archiv). | Bildquelle: dpa
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Ex-Konzernchef Winterkorn soll die Vorwürfe zurückgewiesen haben.

Offenbarung des Betrugs gegen den Willen der Konzernspitze?

Dass die Abschalteinrichtung in den USA überhaupt offengelegt wurde, geschah nach den bisherigen Ermittlungen des FBI quasi gegen den Willen der VW-Spitze: Ein einzelner Manager hatte für sich persönlich während einer Befragung im August 2015 durch die kalifornische Umweltbehörde CARB spontan entschieden, nicht weiter zu lügen und den Einsatz der Betrugssoftware als tatsächlichen Grund für die erhöhten Schadstoffwerte zuzugeben.

Die US-Justiz stützt sich bei ihren Ermittlungen zusätzlich zu den mindestens fünf deutschen Kronzeugen aus Wolfsburg auch auf den geständigen VW-Ingenieur James Liang. Er stand bereits vor Gericht und kann bis zur Urteilsverkündung im Mai versuchen, sein Strafmaß durch Kooperationsbereitschaft zu senken. Auch der frisch in Florida festgenommene Manager wird mutmaßlich darüber nachdenken, mit dem FBI zu kooperieren.

VW bleibt bei bisheriger Darstellung

Teile der Aussagen von zwei Kronzeugen hat das FBI jetzt veröffentlicht. Sie sollen Winterkorn bekannt sein. Der Ex-Konzernchef soll die Vorwürfe zurückgewiesen haben. Das Unternehmen selbst will sich derzeit wegen der andauernden Untersuchungen zu den Aussagen von den Kronzeugen nicht im Einzelnen äußern, beharrt aber grundsätzlich auf seiner bisherigen Darstellung. Daran habe sich "nichts Wesentliches geändert", erklärte VW auf Anfrage von NDR, WDR und SZ.

Gegen Ex-VW-Konzernchef Winterkorn und Markenchef Diess wird in Deutschland wegen Marktmanipulation ermittelt. Nach Worten des Sprechers der Staatsanwaltschaft Braunschweig, Klaus Ziehe, gibt es Anhaltspunkte dafür, dass beide die Aktionäre über die finanziellen Konsequenzen des Betrugs verspätet informiert haben. Nach Informationen von NDR, WDR und SZ sind die Zeugenaussagen über die Sitzung am 27. Juli 2015, die das FBI als Beleg für seine Ermittlungen angibt, auch wichtiger Bestandteil dieses Verfahrens.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Januar 2017 um 17:00 Uhr.

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