VW Tuareg bei einem Händler in New York | Bildquelle: REUTERS

Skandal um Abgaswerte VW im Visier der US-Justiz

Stand: 22.09.2015 07:02 Uhr

Eines ist jetzt schon klar: Der Skandal um manipulierte Abgaswerte wird VW teuer zu stehen kommen. Die Aktie ist massiv eingebrochen, zudem drohen Sammelklagen und eine Milliardenstrafe. Und auch das US-Justizministerium befasst sich jetzt offenbar mit dem Skandal.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Hörfunkstudio Washington

In den "Evening News" des Sender CBS, eine der angesehensten Nachrichtensendungen in den USA, war der VW-Skandal am Montagabend der Aufmacher: "Der größte Autobauer der Welt gibt zu, dass er eine halbe Million Autos manipuliert hat", verkündete Anchorman Scott Pelley zu Beginn der Sendung. "Und das, um bei den Abgaswerten zu tricksen."

Die Vorwürfe werden in den USA als so schwerwiegend angesehen, dass es nicht bei den Untersuchungen der Umweltbehörde EPA bleibt. Mittlerweile habe auch das Justizministerium strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet, berichten mehrere US-Medien. Federführend sei die Umweltabteilung des Justizministeriums.

Damit drohen denjenigen bei VW, die für die Manipulation der Abgaswerte verantwortlich waren, auch strafrechtliche Konsequenzen. Weder das Justizministerium noch VW wollten sich bisher zu den Berichten äußern.

VW-USA äußert sich zum Abgas-Skandal
ARD-Morgenmagazin 06:30 Uhr, 22.09.2015, Markus Schmidt, ARD New York

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Härteres Vorgehen gegen schuldige Unternehmen

Erst Anfang September hatte US-Justizministerin Loretta Lynch angekündigt, bei Verstößen gegen Gesetze werde man sich künftig nicht nur mit Geldstrafen gegen die schuldigen Unternehmen begnügen, sondern stärker als bisher auch die verantwortlichen Personen zur Rechenschaft ziehen. Auch der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, äußerte sich zum VW-Skandal: "Wir sind ziemlich besorgt über die Berichte, die wir gesehen haben und über das Verhalten dieses einzelnen Unternehmens."

Ob es tatsächlich nur ein einzelnes Unternehmen war, das die in den USA strengeren Abgasvorschriften für Dieselfahrzeuge manipuliert hat, auch das wird sich in den nächsten Wochen herausstellen. Die Umweltbehörde EPA will auch die Diesel-Fahrzeuge anderer Hersteller unter die Lupe nehmen.

"Wir haben totalen Mist gebaut" - VW-USA-Chef Michael Horn bei der Präsentation des neuen VW Passat in New York (21.09.2015)

Erste Sammelklage bereits eingereicht

Für Volkswagen ist der Skandal bereits jetzt ein Desaster. Zusätzlich zur möglichen Milliardenstrafe könnten weitere millionenschwere Zahlungen durch Sammelklagen kommen. Eine erste wurde bereits von einer Kanzlei aus Seattle im Namen von Hunderttausenden Käufern betroffener VW-Fahrzeuge eingereicht. Aber auch Großanleger könnten wegen des Aktienabsturzes auf Schadenersatz klagen.

VW-Skandal: US-Justizministerium ermittelt offenbar
M. Ganslmeier, ARD Washington
22.09.2015 04:10 Uhr

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Darüber hinaus sind die Enthüllungen ein schwerer Rückschlag für die Akzeptanz der Diesel-Technologie in den USA. Auch der US-Kongress wird sich voraussichtlich mit dem VW-Skandal beschäftigen. Der Vorsitzende des Energie- und Wirtschaftsausschusses im Repräsentantenhaus, der Republikaner Fred Upton, kündigte Anhörungen im US-Kongress an. Wörtlich sagte der Ausschussvorsitzende: "Die amerikanischen Bürger verdienen Antworten und die Zusicherung, dass dies nicht wieder passiert."

Abgas-Manipulation bei VW - die Vorwürfe

Die US-Umweltschutz-Behörde EPA beschuldigt VW, vorsätzlich Abgasvorschriften bei Diesel-Fahrzeugen umgangen zu haben. Ihnen sei eine Software eingesetzt worden, mit der die Messung bestimmter Abgaswerte umgangen werden könne.

"Einfach gesagt, diese Autos hatten ein Programm, das die Abgaskontrollen beim normalen Fahren ausschaltet und bei Abgastests anschaltet", erklärt eine EPA-Vertreterin. Folge solcher Manipulationen sei, dass die Autos für den Umweltschutz festgesetzte Abgas-Limits um das bis zu 40-Fache überstiegen. Im Fokus der EPA-Ermittlungen stehen laut EPA Vier-Zylinder-Modelle der Jahre 2009 bis 2015. Volkswagen räumte die Manipulationen ein. Nach bisherigem Stand sind elf Millionen Fahrzeuge betroffen.

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