VW-Motor | Bildquelle: dpa

Manipulierte VW-Dieselmotoren Schummeln auch in Europa

Stand: 07.10.2015 19:01 Uhr

Gedrosselter Ausstoß auf dem Teststand - mit diesem Trick hat Volkswagen in den USA Grenzwerte für Dieselmotoren eingehalten. Nach Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung kann die Schummelsoftware aber auch europäische Prüfer linken.

Von Thorsten Hapke (NDR), Peter Hornung (NDR) und Joachim Becker (SZ)

Es ist ein Puzzle, in dem viele Teile fehlen. Doch täglich kommen neue hinzu und machen das Bild vollständiger. Volkswagen hat auf Nachfrage von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" jetzt eingeräumt, dass seine mittlerweile berüchtigte Schummelsoftware einen gezielten Nutzen in Europa hat.

VW manipuliert Abgaswerte auch für europäischen Markt
tagesthemen 22:45 Uhr, 07.10.2015, Thomas Berbner / Thorsten Hapke, NDR

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So könne die Steuerung zahlreicher Fahrzeuge mit dem Dieselmotor EA189 nicht nur den amerikanischen Abgastest erkennen, sondern auch den europäischen Prüfzyklus NEFZ. Bisher hatte Volkswagen erklärt, dass sich das betreffende Programm weltweit in bis zu elf Millionen Fahrzeugen des VW-Konzerns befindet. Gesichert war aber nur, dass US-Tests manipuliert wurden.

Nun wird der Wolfsburger Konzern präziser: "Mit der genutzten Software kann eine Prüfstandsituation durch das Fahrzeug auch im NEFZ-Prüfstandslauf erkannt werden und die Motorsteuerung nur während des Testzyklus auf die Emission gesetzeskonformer Stickoxidwerte umgestellt werden", sagte ein VW-Sprecher. So werde die "Betriebsstrategie des Motors derart verändert, dass weniger Stickoxide ausgestoßen werden".

Ein Messschlauch eines Gerätes zur Abgasuntersuchung im Auspuff eines VW Golf TDI | Bildquelle: dpa
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Abgasuntersuchung bei einem Golf TDI: Die Schummelsoftware von Volkswagen kann auch europäische Tester linken.

Das heißt, auch in Europa kann ein solches Auto die Prüfer übers Ohr hauen. Durch diese Programmierung "werden während des Prüfstandslaufs die Grenzwerte der Euro-5-Abgasnorm eingehalten", räumt VW nun ein. Grenzwerte einhalten ja, aber eben nur scheinbar.

Wie viele Dieselautos die Abgasgrenzwerte nur mit dem Softwaredoping einhalten, dazu sagt Volkswagen nichts. Auch von einem "Defeat Device", also einer nach der einschlägigen Euronorm verbotenen Abschaltvorrichtung wie in den USA, will VW derzeit nicht sprechen: "Die juristische Bewertung bezüglich der ECE-Norm R 83 ist nicht abgeschlossen."

Walter-Borjans fordert Entschädigung

Unterdessen droht Volkswagen, auch für Steuerschäden einstehen zu müssen, die durch die Abgasmanipulation entstanden sein könnten. Das nämlich fordert der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) in einem Brief an Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Die Kfz-Steuer für Dieselfahrzeuge könnte zu niedrig angesetzt worden sein, den Fahrzeughaltern Nachzahlungen drohen. Dazu dürfe es aber nicht kommen.

Norbert Walter-Borjans | Bildquelle: REUTERS
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Norbert Walter-Borjans: Volkswagen muss für Steuerschaden haften

Doch auch der Staat dürfe nicht "auf dem Schaden sitzen bleiben". Der Düsseldorfer Finanzminister bittet die Bundesregierung deshalb "dringend" darum, mit Volkswagen eine einfache, unbürokratische Lösung zu vereinbaren. "Im Ergebnis muss Volkswagen für den entstandenen Steuerschaden haften", verlangt Walter-Borjans.

Das Bundesfinanzministerium erklärte, man beteilige sich nicht an Spekulationen über mögliche Folgen der VW-Affäre für die Kraftfahrzeugsteuer. Die vom Verkehrsministerium zur Aufklärung der Affäre eingesetzte Untersuchungskommission ermittele den Sachverhalt. Erst wenn dies geschehen sei, könnten die Auswirkungen auf die Kfz-Steuer beurteilt werden.

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