VW | Bildquelle: dpa

Zahlungen an US-Mitarbeiter Zahlte VW Boni als Schweigegeld?

Stand: 03.04.2018 18:00 Uhr

Mitten in der Abgas-Affäre belohnte die Volkswagen Group of America insgesamt 148 Mitarbeiter mit Sonderboni in bis zu sechsstelliger Höhe. Kritiker sprechen von einem Schweigegeld.

 Von Stefanie Dodt, NDR

Volkswagen Amerika hat nach Recherchen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" Mitarbeitern zwischen Januar 2015 und Juli 2017 sogenannte Bleibeboni im Umfang von rund 4,5 Millionen US-Dollar gezahlt. Unter den Empfängern sind Manager, die eng in die Abläufe des Dieselskandals eingebunden waren - wie etwa der langjährige Chefjustiziar von VW Amerika, David Geanacopoulos.

Mindestens zehn der Bonusempfänger wurden bereits als Zeugen im Zusammenhang mit dem Abgasskandal in den USA vernommen. Den höchsten Betrag von 450.000 US-Dollar erhielt Audi-Amerika-Chef Scott Keogh. Ein Bleibebonus, im amerikanischen "Retentionbonus", wird dem Mitarbeiter in Aussicht gestellt, aber nur dann gezahlt, wenn der Angestellte nach dem Ablauf eines vereinbarten Zeitraums noch immer im Unternehmen arbeitet.

Scott Keogh | Bildquelle: picture alliance / AP Photo
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Audi-Amerika-Chef Keogh erhielt einen "Bleibebonus" in Höhe von 450.000 US-Dollar.

Wollte VW Loyalität erkaufen? 

"Das sieht nach einem Schweigegeld aus - danach, dass Loyalität erkauft wird - nicht im Sinne der Wahrheit, sondern im Sinne der Firma", kritisiert der US-Anwalt Michael Hausfeld, der seit Bekanntwerden der Abgasaffäre enttäuschte VW-Kunden vertritt. Die Zahlungen vermittelten ein Signal an die Mitarbeiter, stillzuhalten.

Diesen Vorwurf weist Volkswagen auf Anfrage deutlich zurück. "Es ist richtig, dass im Zuge der Diesel-Krise im Herbst 2015 mit einer Reihe hochqualifizierter Mitarbeiter, die wichtig für das Unternehmen waren und sind, 'Retentionbonus'-Vereinbarungen getroffen wurden - teilweise auch erstmalig." Das Unternehmen habe in dieser Situation wichtige Mitarbeiter und deren Know-how halten wollen. "Diese Gratifikationen mit einem 'Schweigegeld' zu vergleichen, entbehrt jeglicher Grundlage und ist völliger Unsinn." Die Mitarbeiter seien bei den US-Ermittlungen verpflichtet, wahrheitsgemäß auszusagen. Sonst drohten ihnen hohe Strafen. Im Übrigen sei die Zahlung von Bleibeboni ein in den USA übliches Vorgehen.

Zahlte VW Schweigegeld an Mitarbeiter?
Morgenmagazin, 04.04.2018, Stefanie Dodt, NDR

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Bleibeboni üblich bei US-Konzernen

Solche Zahlungen sind in den USA tatsächlich üblich. Fast die Hälfte aller US-Großkonzerne vergeben laut dem Gehalts-Informationsdienst "Payscale" solche "Retentionboni". Grundsätzlich sei gegen diese Form der Zahlung nichts einzuwenden, sagt auch der ehemalige Frankfurter Oberstaatsanwalt Wolfgang Schaupensteiner, doch: "Wenn ein Mitarbeiter nachweislich in kriminelle Machenschaften verstrickt ist oder wenn er in schwerwiegender Weise gegen Unternehmensstandards verstoßen hat, dann darf man nicht mit einem Bonus rechnen, sondern mit einer Kündigung."

David Geanacopoulos | Bildquelle: picture alliance / dpa
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VW-Jurist Geanacopoulos genehmigte die Durchführung der Abgsasstudien an Affen.

Im Rahmen der Ermittlungen rund um die Abgasaffäre in den USA wurden zuletzt Experimente mit Affen bekannt, mit denen Volkswagen die Sauberkeit des Diesels unter Beweis stellen wollte. Als unethisch, falsch und abstoßend hatte Konzernchef Matthias Müller Ende Januar die Durchführung dieser Studie bezeichnet. Unter den Empfängern der Boni sind jedoch zwei VW-Manager, die maßgeblich an den Affentests beteiligt waren.

Geanacopoulos war der VW-Jurist, der die Durchführung der Studie an Affen genehmigt hatte. Er erhielt bei einem Jahresverdienst von rund 800.000 US-Dollar einen Bonus von 150.000 US-Dollar. Auch der US-VW-Manager Stuart Johnson steht auf der Liste der Bonusempfänger. Er erhielt 60.000 US-Dollar - rund ein Drittel seines Jahresgehalts. Johnson hatte das Labor für den Affentest noch vor der Durchführung besucht. Er arbeitet seit über 30 Jahren für Volkswagen - bisher hatte er nach eigener Aussage bei einer Vernehmung in den USA nie einen Bleibebonus bekommen.

Über dieses Thema berichtete am 03. April 2018 MDR aktuell (Hörfunk) um 18:12 Uhr. Am 04. April 2018 berichtete NDR Info um 06:50 Uhr.

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