Arbeiter fertigen am 06.07.2014 im FAW-VW Werk in Chengdu Volkswagen-Fahrzeuge vom Typ Jetta.

Proteste in China Leiharbeiter setzen VW unter Druck

Stand: 02.03.2017 04:47 Uhr

In China hat VW mit dem wachsenden Frust von Leiharbeitern zu kämpfen. In den vergangenen Tagen gingen am Standort in Changchun mehr als 500 Arbeiter auf die Straße. Sie fordern gleiches Geld für gleiche Arbeit - und drohen mit Klagen.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Die mehr als 1000 Leiharbeiter bei VW-FAW fühlen sich ungerecht behandelt. Die beiden in einem Joint Venture zusammengeschlossenen Konzerne betreiben in Changchun im Norden Chinas ein riesiges Werk, unter anderem werden hier die VW-Modelle Golf und Jetta sowie Audi A6 produziert. "Niemand hat mich in meinem Leben so sehr verletzt wie FAW-VW", heißt es in einem Song, den einer der Leiharbeiter geschrieben und ins Netz gestellt hat. "Gleiches Geld für gleiche Arbeit? Das ist ein Märchen."

Musikalischer Protest reicht den Leiharbeitern nun jedoch nicht mehr. Anfang der Woche gingen nach Angaben von Aktivisten mehr als 500 Arbeiter in Jilin bei Changchun auf die Straße. Sie zogen vor das Gebäude eines Schiedsgerichts, dem sie Untätigkeit vorwerfen. Im Netz kursieren Fotos der Aktion. Solche Proteste sind im autoritär regierten China selten, wenn auch nichts komplett Neues.

Vorwurf: Seit Jahren schlechtergestellt

Landesweit kommt es immer wieder zu Protestaktionen von Arbeitern, die sich ungerecht behandelt fühlen. In den staatlichen Medien werden entsprechende Aufmärsche und Aktionen fast immer totgeschwiegen. So auch in diesem Fall. Konkret werfen die Leiharbeiter VW-FAW vor, sie seit Jahren deutlich schlechter als die Stammbelegschaft zu bezahlen.

Das sind Forderungen, die es schon seit Jahren gebe, sagt Keegan Elmer vom "China Labour Bulletin", einer nichtstaatlichen Organisation mit Sitz in Hongkong, die sich für Arbeitnehmerrechte in China einsetzt. Elmer fordert: VW muss sich dringend mit den Wortführern der Leiharbeiter zusammensetzen und verhandeln.

Für Volkswagen ist die Angelegenheit delikat. Denn einerseits ist der Vertragspartner der Leiharbeiter-Firma nicht VW, sondern der Joint-Venture-Partner, also der chinesische Staatskonzern FAW.

Andererseits fühle man sich mitverantwortlich für die Anliegen der Leiharbeiter, betont man in der chinesischen Volkswagen-Zentrale in Peking. Man suche aktiv den Dialog mit den Protestierenden. Das offizielle Statement zu den Protesten allerdings ist allgemein und bürokratisch gehalten: "Die Volkswagen Group China kümmert sich um alle Mitarbeiter der chinesischen Belegschaft und wird sich mit jeder mitarbeiterbezogenen Frage ernsthaft beschäftigen."

Arbeiter drohen mit Klage

Die protestierenden Leiharbeiter drohen inzwischen damit, VW-FAW zu verklagen. Offen sprechen darüber wollte mit dem ARD-Hörfunk Shanghai keiner der Beteiligten. Zu groß ist die Sorge vor Jobverlust oder staatlichen Repressionen. Über den chinesischen Kurznachrichtendienst Weibo macht sich ein Leiharbeiter aber wie folgt Luft: "Ich bin traurig und niedergeschlagen. Ich schwöre, dass ich bis zum Ende gegen FAW-VW kämpfen werde."  

"Wenn es vor Gericht geht, wird es ein langer und teurer Kampf für die Arbeiter", sagt Keegan Elmer von der Hongkonger Arbeiterrechte-NGO. Im Moment sieht es so aus, dass die nordchinesischen Protestierer bereit sind, diesen Weg zu gehen.

Proteste von VW-Leiharbeitern in China
Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai
02.03.2017 08:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. März 2017 um 05:15 Uhr.

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