VW-Hauptversammlung | Bildquelle: AFP

VW-Hauptversammlung Dicke Luft trotz guter Zahlen

Stand: 10.05.2017 13:20 Uhr

VW steht glänzend da, Absatzzahlen und Gewinn stiegen zuletzt deutlich. Dennoch sind viele Anleger unzufrieden mit der Aufarbeitung des Abgasskandals. Dazu kommen Sammelklagen gegen den Konzern nach amerikanischem Vorbild.

Von Jörg Ihßen, NDR

Gut ein Jahr nach der letzten Hauptversammlung - die von Wut und Redezeitbegrenzung geprägt war - verläuft das Aktionärstreffen in diesem Jahr in ruhigerem Fahrwasser. Es gebe zwar "die üblichen Unzufriedenen", wie Konzernsprecher vor der Hauptversammlung erklärten. Doch jetzt wolle man wieder mit positiven Geschichten punkten. Dazu gehören zunächst die guten, aber längst bekannten Bilanzzahlen des Konzerns. Mehr als zehn Millionen Autos wurden 2016 weltweit verkauft - ein Plus von vier Prozent. Auch das erste Quartal lief sehr gut.

Aktionärsanwälte beunruhigt

Doch das beruhigt viele Aktionäre und vor allem die sie vertretenden Kanzleien kaum. Rechtsanwalt Andreas Tilp zum Beispiel vertritt Aktionäre, die sich vom damaligen Vorstand und dessen Aufsichtsräten betrogen fühlen. "Ein Jahrmarkt" , sei diese Hauptversammlung für ihn. Der VW-Vorstand mache zwar einen guten Job, allerdings sei kaum an Akten oder neue Hinweise zum Abgasskandal zu kommen. Für den Musterprozess, der in acht Monaten vor dem Oberlandesgericht Celle beginnt, sieht er dennoch gute Chancen.

Dass der VW-Konzern den Abgasskandal in Deutschland aussitzen will, werfen die Anwälte von Baum, Reiter und Kollegen den Wolfsburgern vor. Sie vertreten Kunden, die Schadensersatz oder Rückkauf ihrer manipulierten Diesel fordern - so wie in den USA. Der Tatbestand der vorsätzlichen Täuschung sei aus ihrer Sicht erfüllt. Auch die Berliner Kanzlei Gansel sammelt unzufriedene Kunden, nach eigenen Angaben rund 20.000 allein in Deutschland.

Ermittlungsbericht unter Verschluss

Und wie reagieren VW-Vorstandschef Matthias Müller und der Aufsichtsrat? Sie versprechen weiter Transparenz und Aufklärung. Man wolle dafür sorgen, dass so ein Betrug nicht wieder vorkommt. Aber: Den Ermittlungsbericht von Jones Day bekommt weiter niemand zu sehen. Die Kanzlei hatte nach Bekanntwerden der Diesel-Manipulationen von VW den Auftrag bekommen, den Skandal intern und unabhängig aufzuarbeiten und einen Abschlussbericht vorzulegen. Die Juristen werteten daraufhin Millionen Dokumente aus und sprachen mit Konzernmitarbeitern. Ende Januar teilte Volkswagen jedoch mit, dass die Kanzlei keinen Bericht veröffentlichen werde. Die Begründung: Im kurz zuvor geschlossenen Vergleich mit den US-Behörden hätten diese die entscheidenden Vorwürfe festgehalten.

Fast fünf Millionen Diesel umgerüstet

Die Aufklärung des Dieselskandals - für Außenstehende kommt sie nicht voran. Bei Müller heißt das: Das Unternehmen ist auf Kurs. Mehr könne man dazu nicht sagen. Stattdessen betont er, die Umrüstung der Diesel mit der Betrugssoftware laufe gut, weltweit seien 4,7 Millionen und damit die Hälfte der betroffenen Fahrzeuge bereits umgerüstet, ohne technische Probleme. Müller betonte: "Moderne Verbrennungsmotoren bleiben auf absehbare Zeit unverzichtbar. Der Diesel bietet auch 124 Jahre nach seiner Erfindung noch große Möglichkeiten. Wir werden sie ausschöpfen."

Müller wirbt dann trotzdem für den Umbau des Konzerns. Das Unternehmen werde in den kommenden fünf Jahren rund neun Milliarden Euro in alternativen Antriebstechnologien investieren. VW stehe robust da, fasst Müller zusammen. Daher gibt es statt kargen 17 Cent, wie im vergangenen Jahr, dieses Mal auch 2,06 Euro Dividende pro Vorzugsaktie.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 10. Mai 2017 um 08:10 Uhr.

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