Eine US-Flagge spiegelt sich in einem VW-Logo. | Bildquelle: dpa

Zwei Jahre Diesel-Gate Als der Skandal begann ...

Stand: 18.09.2017 00:55 Uhr

Heute vor zwei Jahren wurde in den USA einer der größten Betrugsskandale in der Autoindustrie aufgedeckt: Die US-Umweltbehörde EPA machte den Diesel-Skandal öffentlich. Mehr als 20 Milliarden US-Dollar zahlte VW bisher.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Die Aufregung vor zwei Jahren war groß in den USA: "Atemberaubend" sei das, was die amerikanische Umweltbehörde bei den Diesel-Fahrzeugen von VW entdeckt habe, "gelogen und betrogen" habe VW, so die Moderatoren im Sender CNN und das alles sei "vermutlich erst der Anfang".

Es war auch die moralische Fallhöhe: Denn jahrelang hatte Volkswagen in seinen Werbespots für "Clean Diesel" geworben. Eben nicht nur Trucker und Pendler setzten auf Diesel, sondern in den USA gerade auch umweltbewusste Bildungsbürger, die glaubten, ihr Diesel sei gut für den Klimaschutz. Joyce Ertel Hulbert war eine von ihnen: "Wir haben unseren VW-Kombi bewusst gekauft - weil er gut für die Umwelt schien, gering im Verbrauch ist und gut aussah. Und jetzt fühlen wir uns getäuscht", berichtet sie damals.

Ein VW Passat TDI Clean Diesel wird bei der NAIAS-Messe in Detroit gesäubert. | Bildquelle: dpa
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Gar nicht clean: VW fielen in den USA auch die eigenen Werbesprüche auf die Füße.

300.000 Fahrzeuge zurückgekauft

Nur drei Wochen nach Bekanntwerden des Skandals musste der damalige USA-Chef von VW, Michael Horn, im US-Kongress Rede und Antwort stehen. Ihm blieb nichts anderes übrig, als sich in den Staub zu werfen: Der Betrug sei das Werk einiger weniger Ingenieure bei VW gewesen, erklärte Horn. Doch das bezweifelten die Kongressabgeordneten schon damals.

Ex-VW-USA-Chef Michael Horn
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Auch das Schuldeingeständnis des damaligen VW-USA-Chefs Michael Horn konnte die US-Behörden nicht besänftigen.

Während VW versuchte, seine Kunden und Händler zu beschwichtigen, ermittelten die US-Behörden unter Hochdruck. Im Herbst 2016 stellte sich der VW-Ingenieur James Liang freiwillig als Kronzeuge zur Verfügung und lieferte wichtige Hinweise. Kurze Zeit später erklärte sich VW bereit, die betroffenen Kunden, die Händler und die US-Bundesstaaten mit insgesamt 16 Milliarden US-Dollar zu entschädigen. Den Diesel-Fahrern wurde angeboten, ihr Fahrzeug zurückzukaufen oder es umrüsten zu lassen. Bis heute haben rund 300.000 Kunden das Angebot des Rückkaufs angenommen: Für einen Jetta aus dem Jahr 2009 gab es bis zu 14.000 Dollar; für einen 2015er Audi A3 mehr als 40.000 Dollar.

Besonders wichtig ist der strafrechtliche Vergleich mit der US-Regierung, den die damalige Justizministerin Loretta Lynch Anfang dieses Jahres verkündete: Insgesamt schon mehr als 20 Milliarden US-Dollar hat der Diesel-Skandal VW in den USA gekostet. Die zurückgegebenen Fahrzeuge stehen auf riesigen Parkplätzen bei Baltimore, in der Nähe von Colorado Springs, in San Bernardino und in Detroit. Dort warten sie darauf umgerüstet, recycelt oder einfach nur verschrottet zu werden.

Zwei VW-Mitarbeiter vor Gericht

Von den insgesamt acht in den USA angeklagten VW-Verantwortlichen halten sich sechs in Deutschland auf und müssen keine Auslieferung befürchten - darunter auch der frühere Entwicklungschef Heinz-Jakob Neußer. Zwei "kleinere Fische" müssen dagegen in den USA mit Gefängnisstrafen für den Diesel-Skandal büßen: Kronzeuge James Liang wurde trotz seiner Kooperation zu einer harten Strafe von drei Jahren und vier Monaten sowie 200.000 US-Dollar Strafe verurteilt. Sein Chef Oliver Schmidt, der Anfang des Jahres nach einem Florida-Urlaub in Miami verhaftet wurde, erfährt seine Strafe am 6. Dezember: Ihm drohen bis zu sieben Jahre Haft.

2 Jahre VW-Diesel-Skandal
Martin Ganslmeier, ARD Washington
17.09.2017 22:32 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. September 2017 um 06:08 Uhr.

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